ERNA KRONSHAGE 1922–1944
Leben &
Vernichtung
EINGELIEFERT . ZWANGSSTERILISIERT . INTERNIERT . ABGESCHOBEN . ERMORDET
CHRONOLOGIE . REPORT . COLLAGE . REFLEXION . ER-INNERN .
GE(H)DENKEN
- Die Beiträge der Website skizzieren zunächst Ernas Kindheit ab 1922 als jüngstes Kind in einer 13-köpfigen bäuerlichen
Großfamilie.
- Ab Oktober 1942 entwickelt sich dann Schlag-auf-Schlag aber eine 484-tägige verhängnisvolle schicksalhafte Ereigniskette – bis zu einem
ganz bitteren Ende:
- Erna ist inzwischen 19 Jahre alt und arbeitet – wie damals zwingend vorgeschrieben – als eine jugendlich-dienstverpflichtete „Haustochter“
auf dem Bauernhof ihrer Eltern.
- Aufgrund der allgemeinen Kriegsbedingungen ab 1939/40 werden die Brüder Ernas zum Militär beordert - die älteren Schwestern wohnen
inzwischen nicht mehr zu Hause.
- Erna bleibt somit nur noch als die einzige regulär verbliebene Arbeitskraft neben ihren Eltern im landwirtschaftlichen Familienbetrieb
zurück.
- Die immer bedrückendere Versorgungslage im Krieg bringt es mit sich, dass von jedem Bauernhof zwangswirtschaftlich von der
NS-Bauernschaft, dem »Reichsnährstand«,
genau festgesetzte Ertragsmengen von Acker und Vieh abzuliefern sind!
- Diese insgesamt sich immer weiter steigernden Gesamtanforderungen belasten Erna zunehmend. Das auferlegte erhöhte Arbeitspensum kann
sie so – zumeist auf sich allein gestellt – auf Dauer nicht mehr bewältigen.
- Hinzu tritt ein schleichend einsetzendes Verlustempfinden von Geborgenheit und Sicherheit als Jüngste jetzt in einer schrumpfenden
ehemaligen Großfamilie, sowie die sich gleichermaßen verstärkenden Kriegs- und Zukunftsängste und eine daraus resultierende allgemeine Perspektivlosigkeit – die Erna gänzlich resignieren
lässt.
- Es kommt bei ihr zuerst zu Bummeleien aber dann auch zu Auflehnungen gegenüber den Eltern und zu kompletten Arbeitsausfällen.
- Solche Unregelmäßigkeiten in einer nun als »kriegswichtig« eingestuften Landwirtschaft müssen bei der örtlichen »NSV-Volkspflegerin«
(»Braune Schwester«) angezeigt werden –
- und die ordnet nun eine umfassende amtsärztliche Überprüfung des aktuellen Leistungsvermögens der 19 Jahre alten, schmächtigen,
überforderten, körperlich »ausgebrannten«, doch intellektuell wohl unterforderten Erna an – [1,73 = Notenschnitt im Schul-Abschluss-Zeugnis] –
- Erna »will nicht mehr zu Hause bleiben, sondern unter intelligente Menschen gehen« [Zitat]).
- Um ihre Arbeitsfähigkeit rasch umfassend wiederherzustellen, erkundigt sich Erna bei der Amtsarzt-Untersuchung nach einer
Möglichkeit, für eine Regenerationsphase in die »Heil«-Anstalt Gütersloh aufgenommen zu werden – wohl nach dem Vorbild ihrer Schwestern Frieda –
- wozu sie sich dann auch schon am nächsten Tag mit einer entsprechenden Überweisung im Beisein und wahrscheinlich nach dem Willen der
»Braunen Schwester« polizeilich zwangseinliefern lässt,
- um so als noch Minderjährige den ausdrücklichen Willen ihrer sorgeberechtigten und ältergewordenen Eltern zu unterlaufen, die auf ihre
Hilfe auch kurzfristig nicht verzichten wollen.
- In der »Heil«-Anstalt Gütersloh jedoch trifft Erna auf mittlerweile dort tätige in »Rassenhygiene« bzw. »Eugenik« eingebundene
NS-Psychiater, die für sie aufgrund der Familienkonstellationen unter eugenischen Gesichtspunkten mit einer rasch erstellten »Sippen-Tafel« ad-hoc eine »Schizophrenie«
diagnostizieren.
- Erna wird daraufhin schocktherapiert,
- zwangssterilisiert,
- interniert - und -
- überzählig aussortiert und abgeschoben -
- schlussendlich mutterseelenallein in einer abseits im besetzten Polen liegenden »Euthanasie«-Massenmord-Anstalt im Februar 1944
ermordet.