Susanne Siegert: »Ich wette mit euch, dass ihr nicht den Namen eines einzigen Opfers der sogenannten NS-Euthanasie kennt. Aber warum ist das so?«
MOIN & SHALOM
INTRO -
zur Einstimmung in die Thematiken dieser Website >>> click das nebenstehend verlinkte 1.33-min.-Video
von Susanne Siegert an (Veröffentlichung 2025 auf TikTok & Instagram):
Ab Herbst 1942 gerät meine Tante Erna Kronshage in einen 484 Tage andauernden Leidensprozess: Nach einer zweifelhaften ad-hoc Schizophrenie-Diagnose in einer »Heil«anstalt folgen Schlag-auf-Schlag: Cardiazol-Schocktherapie-Serien mit chemisch ausgelösten epileptischen Krampfanfällen »zum inneren Spannungabbau«, eine Zwangssterilisation sowie ihre Internierung und Abschiebung. Im Februar 1944 wird Erna mit 21 Jahren schließlich in einer Euthanasie-Tötungsanstalt im kriegsbesetzten Polen ermordet.
Von 1933 bis 1945 werden zudem in deutschen Landen und weiteren annektierten Gebieten neben den millionenfachen Holocaust-Gräueltaten insgesamt mehrere hunderttausend staatlich gelenkte und ärztlich verordnete Eugenik- und Psychiatrie-Gewalttaten begangen – die in weiteren Abschnitten dieser Website mit in den Blick genommen werden müssen.
»Die Vergangenheit ist niemals tot.
Sie ist nicht einmal vergangen.«
William Faulkner
An einem einzigen Durchführungs-Verfahren
zu diesen staatlich verordneten Eugenik-Verbrechen sind jeweils mindestens zehn bis fünfzehn Personen arbeitsteilig einge-bunden, beteiligt oder mit betroffen: z.B. Ärzte, Richter, Amtsinhaber vor Ort, Orts-fürsorgerinnen, NS-Volkspflegerinnen, Staatsanwälte, Polizisten – Beamte, Bedienstete und Sachbearbeiter in einer Vielzahl von zuständigen Ämtern und Verwaltungen der beteiligten Institutionen – Krankenpflege- und Medizinalpersonal, Fahrdienstleiter, Zugführer, Busfahrer – aber ebenso natürlich auch ängstlich-schamhaft wegschauende, schweigende, gleichgültige oder abgelenkte und überforderte geplagte Angehörige, Nachbarn und sonstige Bezugspersonen – Mitmenschen also wie du und ich.
Und das rechnet sich hoch zu mehr als drei bis vier Mio. Mitwissende aus den Reihen der damaligen »Reichs-bürger« quer durch die Mitte der Gesellschaft – bei rund 10 Mio. freiwillig eingetretenen NSDAP-Parteimitglie-dern – von knapp achtzig Mio. damaligen Einwohnern insgesamt.
Und wie viele beteuerten und versichern immer noch, von »nichts gewusst« und »nichts mitbekommen« zu haben.
»Sofern es überhaupt ein ›Bewältigen‹
der Vergangenheit gibt,
besteht es im Nacherzählen dessen,
was sich ereignet hat.«
Hannah Arendt
|
|