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Z[W]EITzeugin - gegen das Vergessen

 

 

 



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Katharina Müller-Spirawski ist eine „Zweitzeugin“. Als solche engagiert sie sich dafür, dass die Geschichten von Holocaust-Überlebenden erzählt werden. Das soll rechtem Gedankengut den Boden entziehen.


Sie war 16 Jahre alt, als sie 1943 nach Auschwitz deportiert wurde. Eigentlich hätte sie gar nicht in das Konzentrationslager gemusst. Denn nur die Mutter von Erna de Vries war jüdischen Glaubens. Ihr Vater war katholisch. Als sie aber hörte, dass ihre Mutter deportiert werden sollte, ist die angehende Krankenschwester freiwillig mitgegangen. Sie wollte bei ihr bleiben. Wenige Monate später wurde Erna de Vries nach Ravensbrück verlegt. Kurz darauf wurde ihre Mutter in Auschwitz umgebracht. De Vries hat überlebt, weil ihr Todesmarsch 1945 von alliierten Soldaten befreit wurde.

Wenn Katharina Müller-Spirawski die Geschichte von Erna de Vries erzählt, bewegt sie sich viel, während sie auf dem heimischen Sofa sitzt. Sie hebt die Arme, trinkt aus dem Wasserglas oder greift nach einem Keks. Müller-Spirawski ist eine sogenannte Zweitzeugin. Die 31-Jährige aus Bünde hat de Vries schon 2011 kennengelernt. Da entwickelte sich das Projekt „Heimatsucher“ gerade erst. Die Idee entstand im Jahr zuvor als Studienprojekt. Zwei Bekannte von Müller-Spirawski hatten für ein Foto-Projekt Holocaust-Überlebende in Israel fotografiert. Die Bünderin war von der Idee begeistert und überlegte sich ein didaktisches Konzept. Sie wollte die Biografien und die Geschichten Kindern vermitteln. „Wir haben damals in der Mensa gesessen und herumgesponnen. Keiner von uns hätte gedacht, dass es mal so groß wird“, sagt sie heute.

Seit 2014 sind sie ein Verein. 120 Ehrenamtliche arbeiten in ganz Deutschland mit an dem Projekt und stellen die Biografien von 35 Überlebenden des Holocaust vor. Zweitzeugen nennen sie sich, weil sie die Geschichten von Zeitzeugen erzählen. „Die Überlebenden sind über 90 Jahre alt. Sie können oder wollen nicht mehr alle so viel raus und ihre Geschichten erzählen“, sagt Müller-Spirawski. „Sie erzählen in unseren Gesprächen mehr von denen, die sie verloren haben, als von sich selbst, und haben Angst, dass die Erinnerungen mit ihrem Tod verloren gehen.“ Damit das nicht passiert, erzählen die Zweitzeugen in Workshops, Ausstellungen und an Schulen die Geschichten weiter.

Weil sie insbesondere im Ruhrgebiet oft eingeladen werden, haben die Heimatsucher ihren Hauptsitz inzwischen in Essen. „Nicht nur die Schulen, auch Fußballklubs arbeiten in der Gegend verstärkt gegen Rassismus.“ Manche Kinder hätten Vorstellungen von Hitler als König Deutschlands oder würden Parolen der AfD aufschnappen. Um die Zeit greifbarer zu machen, würden Lehrer dann die Zweitzeugen zu sich in den Unterricht einladen. „Das ist doch voll blöd“, höre sie oft, gerade von jüngeren Kindern, wenn sie denen erzähle, wie Erna de Vries behandelt worden ist. Ein Lehrer hätte sie auch einmal eingeladen, weil zwei Jugendliche aus seiner Klasse ein Video mit rechten Parolen ins Internet gestellt hätten. Während ihres Vortrags hätten die beiden geschwiegen. „Es geht mir darum, die anderen Kinder zu sensibilisieren“, sagt Müller-Spirawski. „Ich weiß, dass ich Überzeugungstäter nicht umdrehen kann.“ Seit es die AfD gebe, würden die Zeitzeugen lauter, sich mehr an die Öffentlichkeit wenden, meint die 31-Jährige. Und damit auch die Zweitzeugen. Für ihr Engagement sind sie in diesem Jahr für den Engagementpreis des Landes NRW nominiert.

Erna de Vries ist heute 97 Jahre alt. Sie hat drei Kinder und mehrere Enkelkinder. Katharina Müller-Spirawski besucht sie ein Mal im Jahr. „Es gibt Kaffee und Kuchen und wir gucken uns auf dem Tablet Fotos von den Enkeln an. Das ist immer, als würde ich meine eigene Oma besuchen“, sagt sie. „Sie hat überlebt. Nach schlimmen 13 Jahren ging ihr Leben schön weiter. Das will ich mit meiner Arbeit zeigen.“

 

 

 

 

 

eine tolle aktion und notwendige idee. es wird ja in letzter zeit so oft spekuliert, wie ein würdiges und authentisches gedenken an die gräueltaten der ns-tötungsmaschinerie erhalten bleiben kann, wenn die zeitzeugen allmählich nicht mehr da sind - oder tatsächlich alt und gebrechlich, weil sie oft schon weit in die 90er inzwischen alt sind - und wenn inzwischen wieder (neu)rechte parteien den holocaust leugnen, die gedenkstätte als "mahnmal der schande" oder die gesamte epoche als "vogelschiss" bezeichnen...

und da kommt diese aktion des vereins "heimatsucher" mit sitz in essen gerade recht, um den menschen von heute die notwendigen informationen zum holocaust und den sonstigen schandtaten weiterzugeben: die erlebnisse der zeitzeugen wird von z-w-eitzeugen weitergeführt, die mit den entsprechenden infos aus "erster hand" versorgt und ausgestattet worden sind - und  mit zeitgemäßen übermittlungsmedien dazu - quasi als aktivpaten der immer älter werdenden tatsächlichen zeitzeugen, die "nicht mehr können" oder wollen, oder bereits verstorben sind.

ich habe hier im anschluss zwei adressen dazu verlinkt, mit denen man bei bedarf kontakt aufnehmen kann und aktiv werden kann - oder auch die notwendigen infos, wie man zur "zweitzeugen"-schule werden kann... - click here or here ...

 

 

 

 

 

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