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walter barking - hingerichtet in senne II

75 jahre nach 1945: da gibt es vielerorts anlässe des gedenkens an das ende des krieges und der befreiung von kz's, gefangenenlagern und vieles mehr.

ein besonders perfides stück kriegsgeschichte geschah vor 75 jahren - hier fast direkt vor der haustür, zumindest aber damals vor der deelentür meiner oma - die ja ein jahr zuvor ihre tochter erna kronshage beerdigen musste als ein mordopfer der ns-krankenmorde - und die auch 4 monate später ihren mann verlor, der an seinem asthma starb - was sich seit diesem tod seiner 21-jährigen tochter verstärkt hatte. 

also direkt vor erna kronshages geburtshaus, dem pachthof der kronshages - nähe bahnhof kracks - an der heutigen beschrankten kreuzung verler straße / sender straße / krackser straße, geschah so kurz vor kriegsende (am 1.april 1945) hier im raum bielefeld eine solche fatale und provinziell-verrückte kurzschluss-handlung:

 

 

 

Der schließlich ausgebrannte Königstigerpanzer als Kriegs-Mahnmal in Senne I
 


Ein fataler Fehlschuss

Bielefeld, das ist für Walter Barking nicht mehr als eine Zwischenstation. Der 25-jährige stammt aus Bocholt, seine Frau wohnt in Sende bei Schloß Holte, und genau dahin zieht es den Soldaten nach seiner Entlassung aus dem Bethel-Lazarett in Eckerdsberg [gemeint ist: "Eckardtsheim"]. Wo sich seine Einheit befindet, weiß Barking nicht, er ist ein Versprengter, der Anschluss sucht, wie so viele in jenen Tagen. Am Krackser Bahnhof begegnen ihm SS-Männer, die ihn zunächst für einen Deserteur halten. Nach Überprüfung seiner Papiere drücken sie ihm eine Panzerfaust in die Hand und geben ihm den Auftrag, sie auf einen feindlichen Panzer abzufeuern. Walter Barking bezieht Stellung auf dem Anwesen des Kaufmanns Karl Freitag. Dieser hatte schon in der Frühe einen amerikanischen Panzerspähwagen gesehen. Gegen 8 Uhr rollt tatsächlich ein Panzer aus Schloß Holte kommend heran. Barking nimmt Deckung hinter einem Kaninchenstall, zielt und drückt ab. Das Geschoss streift den Turm des Panzers, zwei Männer, die auf dem Panzer sitzen, sterben.

Barking erkennt sogleich seinen Irrtum. Er hat auf einen deutschen Königstiger geschossen, 70 Tonnen schwer, zehn Meter lang. Und die Besatzung merkt sogleich: Das war kein amerikanisches Panzergeschoss, sondern eine Panzerfaust, die nur die Deutschen benutzen. Barking ergreift die Flucht, wird jedoch wenig später aufgespürt und zunächst verprügelt. Dann führt man ihn in ein nahe gelegenes Waldstück. Der 14-jährige Sohn der Familie Freitag beobachtet, wie Barking stürzt und dann hinterrücks erschossen wird. Ein ganzes Magazin feuert ein SS-Mann auf den Soldaten ab.

 

[einschub sinedi: dieser damals 14-jährige sohn der familie freitag - inzwischen hochbetagt - hat mir vor einiger zeit als zeitzeuge bei einem besuch erzählt, dass seine nachbarin erna kronshage ihm beim lesenüben und beim üben von diktaten geholfen habe - und dass er auch ende februar 1944 den güterwagen auf dem bahn-abstellgleis hat stehen sehen, in dem der sarg mit ernas leiche aus gniezno/gnesen zur beisetzung direkt bis quasi vor den bauernhof der kronshages, ernas geburtshaus, rangiert worden ist...]

 

Map-Ausschnitt beschrankte Kreuzung Senne II: am roten Punkt hat
Walter Barking mit der SS-Panzerfaust gestanden -
oben halb links der "Mühlenkamp", Erna's Geburtshaus 
 

Etwa eine Stunde braucht die Panzerbesatzung, um den Königstiger wieder flott zu bekommen, dann fahren sie in Richtung Elbrechter Hof. Dort gerät der Königstiger unter amerikanischen Beschuss und in Brand, ohne auch nur einen Schuss abgegeben zu haben. Bis auf einen Mann, der sich verletzt retten kann, kommt die Besatzung ums Leben. Erst Tage später werden die verkohlten Leichen geborgen, der zerstörte Königstiger steht noch lange zwischen dem Bahnhof Kracks und Windelsbleiche, bis er zerlegt und fortgeschafft wird.



Quelle: WESTFALEN-BLATT vom 01.04.2020 - S.11 - Sonderseite zum Einmarsch der Amerikaner in Bielefeld vor 75 Jahren - Autor: Heinz Stelte WB - Infos auch auf Seiten des Bielefelder Stadtarchivs

 

<< hier berichtet der Sohn des Hingerichteten - und stellt einiges gerade und richtig...

 

Quelle: WESTFALEN-BLATT Nr. 82, vom 06.04.2020 - S. 9 - Lokales Bielefeld: "Man kann es eigentlich nicht glauben - Bielefelder erinnern sich an die Geschehnisse der letzten Kriegstage"...


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