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Beethovens Pianosonate No. 23 "Appassionata"

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Das Gegenteil von spirituell ist nicht materiell. Das Gegenteil von spirituell ist egozentrisch. Michael Pollan

 

 

 

»Konventionelle Weisheit legt nahe, dass das Gegenmittel gegen religiösen Fundamentalismus mehr Säkularismus ist. Aber das ist ein sehr großer Fehler. Die beste Antwort auf schlechte Religion ist eine bessere Religion, kein Säkularismus.« Jim Wallis

 

Jim Wallis (* 4. Juni 1948 in Detroit, Michigan) ist ein US-amerikanischer evangelikaler Prediger, Gründer der christlichen Kommune Sojourners, Politaktivist, Präsidentenberater, Buchautor und Dozent für Politik und Religion in Harvard. Er gehört zu den führenden Personen der Linksevangelikalen (amerikanisch: Red-Letter Christians [& click here]) weltweit.

FÜR EINEN GUTEN TAG 

Regina Laudage- Kleeberg (Wed, 27 Oct 2021)
Kurz und bündig, interessant und informativ. Aber auch tröstlich und gelegentlich anstößig. Bunt wie das Leben sollen auch die Formen der christlichen Botschaft im Sender sein.
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Foto: Peter Hirth/laif - DIE ZEIT
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Biblische Überlegungen zur Pandemie - 

 

(C) Illustration Chiara Ghigliazza - F.A.S.


Der Heiler


Epidemiologen können die Bibel wie eine Fachzeitschrift lesen, es gab Lepra, Syphilis, Malaria. Als Jesus kam, holte er die Kranken aus der Isolation und nahm ihnen die Scham.

 

Von Justus Bender | F.A.S. - Politik  S. 2 - Sonntag, 20.12.2020

 


Das Alte Testa­ment ist eine inter­es­san­te Lektü­re für Vene­ro­lo­gen. Dort wimmelt es nur so von Geschlechts­krank­hei­ten. Während Moses auf dem Berg Sinai unter­wegs ist, um die Zehn Gebote von Gott zu empfan­gen, fangen die Israe­li­ten im Tal an, ein golde­nes Kalb anzu­be­ten und sich auf unter­schied­li­che Weisen zu vergnü­gen. Als Moses zurück­kehrt und das Spek­ta­kel sieht, zerschlägt er das Kalb und die Stein­ta­feln mit den Gebo­ten gleich mit. Auch Gott ist sehr wütend. Er straft das Volk mit einer Seuche, deren Namen in der Bibel nicht genannt wird, deren Ursprung aber auch die eigene Zügel­lo­sig­keit gewe­sen sein kann. Vene­ro­lo­gen speku­lie­ren über Syphi­lis oder Trip­per. Es gibt Arti­kel in medi­zi­ni­schen Fach­zeit­schrif­ten darüber. Die Bakte­ri­en entstell­ten die Menschen, sie hatten Geschwü­re am ganzen Körper. Wenn in der Bibel von Lepra­kran­ken die Rede ist, dann ist nicht unbe­dingt die vom Myco­bac­te­ri­um leprae verur­sach­te Krank­heit gemeint, sondern viele Formen von entstel­len­den Seuchen. Und wer krank wurde, hatte kein Mitleid verdient, denn er war ein Sünder, von Gott gestraft.


Auch für Epide­mio­lo­gen sind die Bücher Mose aufschluss­reich, dort geht es um Hygie­ne­re­geln. Hohe­pries­ter durf­ten keine Leichen anfas­sen. Leute mit Krank­hei­ten durf­ten nicht in das Gemein­schafts­zelt kommen, soll­ten dem Essen fern­blei­ben, und jeder und alles, was sie berührt hatten, wurde desin­fi­ziert und unter Quaran­tä­ne gestellt. Die Kontakt­nach­ver­fol­gung war rigo­ros. „Jeder, den der Kranke berührt, ohne zuvor seine Hände mit Wasser abzu­spü­len, muss seine Klei­der waschen, sich in Wasser baden und ist unrein bis zum Abend“, heißt es in Levi­ti­kus 15,11.


War irgend­ein Quer­den­ker der Meinung, sich nicht an diese Regeln zum Infek­ti­ons­schutz halten zu müssen, dem wurden die Konse­quen­zen deut­lich gemacht. „Der Herr wird dich schla­gen mit Drüsen Ägyp­tens, mit Feig­war­zen, mit Grind und Krätze, dass du nicht kannst heil werden“, heißt es im Deute­ro­no­mi­um 28,27. Damals gab es noch keine Bundes­zen­tra­le für gesund­heit­li­che Aufklä­rung mit freund­li­chen Broschü­ren. In der Epide­mie­be­kämp­fung ist der Ton der Bibel so barsch, dass ein Sprich­wort daraus entstan­den ist: Ich lese dir die Levi­ten, sagen wir heute zu Aufmüp­fi­gen.


Wer jammert, weil das Gesund­heits­amt anruft und eine Quaran­tä­ne im warmen Wohn­zim­mer verord­net, dem sollte Levi­ti­kus 13,45–46 gele­sen werden. Damals waren die Ansa­gen ein biss­chen härter. „Der Aussät­zi­ge, der von diesem Übel betrof­fen ist, soll einge­ris­se­ne Klei­der tragen und das Kopf­haar unge­pflegt lassen; er soll den Schnurr­bart verhül­len und ausru­fen: Unrein! Unrein! Solan­ge das Übel besteht, bleibt er unrein; er ist unrein. Er soll abge­son­dert wohnen, außer­halb des Lagers soll er sich aufhal­ten.“ Das Verhül­len des Schnurr­barts klingt nach Alltags­mas­ke und das Ausru­fen von „Unrein!“ nach einer Corona-App ohne Daten­schutz. Infi­zier­te waren Sünder, Unrei­ne, Ausge­sto­ße­ne. Die Krank­heit bedeu­te­te nicht nur Isola­ti­on, sondern Arbeits­lo­sig­keit, Armut und Obdach­lo­sig­keit. Infek­tio­nen waren nicht nur körper­li­che Leiden, sondern eine seeli­sche Kata­stro­phe.


Dann kam Jesus von Naza­reth. Der Bibel­for­scher John Domi­nic Crossan erzählt seine Geschich­te anders als in manchem Kommu­ni­ons­un­ter­richt. Für Crossan war Jesus ein Revo­lu­tio­när und ein Heiler, der die sozia­len Folgen von Epide­mi­en milder­te. Crossan hat sich sein Leben lang mit Jesus beschäf­tigt. Er war Mönch im Servi­ten­or­den, Wissen­schaft­ler am Päpst­li­chen Bibel­in­sti­tut und Profes­sor in Chica­go. Für ihn führte Jesus eine Bewe­gung an, die zum gewalt­lo­sen Wider­stand gegen das Römi­sche Impe­ri­um aufrief. Nicht Kaiser Augus­tus sollte der Sohn Gottes sein, wie es damals auf jeder Münze stand, sondern Jesus, der Sohn eines Tisch­lers aus Naza­reth. Das war Hoch­ver­rat, den Chris­ten aus Sicht der dama­li­gen Römer bis heute bege­hen, wenn sie beten: „Dein Reich komme.“ Statt des Römi­schen Reiches versprach Jesus ein König­reich Gottes, in dem Gerech­tig­keit herrscht.


In Gali­läa, wo Jesus lebte, waren die Zeiten unru­hig. Der von Rom einge­setz­te Herr­scher, Hero­des Anti­pas, verleg­te die Haupt­stadt an den See Gene­za­reth. Den woll­ten die Römer kommer­zia­li­sie­ren. Sie woll­ten den Fisch einsal­zen und im ganzen Reich verkau­fen. Die Fischer soll­ten in Fisch­fa­bri­ken arbei­ten und nicht mehr auf eigene Rech­nung. Das ganze wirt­schaft­li­che Gefüge geriet aus dem Gleich­ge­wicht und damit die sozia­len Struk­tu­ren. Deshalb waren so viele von Jesu Jüngern ehema­li­ge Fischer, der Fisch war ihr Symbol. Sie hatten ihre Jobs verlo­ren. Sie waren arm. Am See gab es Mala­ria. Über­all liefen Kranke herum, um die sich niemand kümmer­te, weil sie Ausge­sto­ße­ne waren und weil die alte Soli­dar­ge­mein­schaft durch das Effi­zi­enz­den­ken der Römer abge­löst wurde. „Das multi­pli­ziert nicht die Präsenz der Kran­ken, aber ihre Einsam­keit, ihre Isola­ti­on. Es gibt eine Gesund­heits­kri­se zur Zeit von Jesus, die sozio­öko­no­mi­sche Gründe hat“, sagt Crossan. Auch bei Corona sieht er solche Folgen. Zum Beispiel steigt in Ameri­ka die Selbst­mord­ra­te, es gibt seeli­sche Not. Im Fern­se­hen hat Crossan eine Kran­ken­schwes­ter gese­hen, die erzähl­te, wie die Pati­en­ten bei ihr ster­ben: allein, ohne Verwand­te, nur im Kontakt mit vermumm­ten Pfle­gern.


Die Hung­ri­gen kamen zu Jesu Jüngern und baten um Essen. Die Jünger hatten aber kein Essen und schlu­gen Jesus vor, die Leute wegzu­schi­cken, damit sie sich selbst was kaufen. Jesus lehnte ab. „Sie brau­chen nicht wegzu­ge­hen. Gebt ihnen zu essen.“ Das war ein wich­ti­ger Satz. Jesus machte seine Jünger verant­wort­lich für das Wohl­erge­hen der Menschen. Seine König­reich-Bewe­gung war ein sozi­al­po­li­ti­sches Projekt, auch wenn es um Kranke ging. „Der deut­sche Kirchen­his­to­ri­ker Adolf von Harnack hat einmal gesagt: ,Das Chris­ten­tum ist eine medi­zi­ni­sche Reli­gi­on.‘ Weil das Heilen so wich­tig ist“, sagt Crossan. In Abbil­dun­gen aus dem zwei­ten Jahr­hun­dert ist Jesus vor allem ein Heiler. „Pein­li­cher­wei­se hat er in früh­christ­li­chen Abbil­dun­gen oft einen Zauber­stab in der Hand, mit dem er heilt.“


Einmal traf Jesus einen Kran­ken, der als Aussät­zi­ger leben musste, also in der Verban­nung. Er kniete vor Jesus und sagte: „Willst du, so kannst du mich wohl reini­gen. Und es jammer­te Jesum, und er reckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach: Ich will’s tun; sei gerei­nigt! Und als er so sprach, ging der Aussatz alsbald von ihm, und er ward rein“, heißt es in Markus 1,40. Jesus berühr­te einen Aussät­zi­gen! Wenn das jemand mitbe­kom­men hätte, wären ihm die Levi­ten gele­sen worden. Deshalb sagte Jesus schnell zu dem Aussät­zi­gen, er solle nieman­dem davon erzäh­len. Der Aussät­zi­ge aber hielt sich nicht daran und erzähl­te es rum. Die Folge war: Jesus konnte nicht mehr in die Stadt, er musste seine Heilun­gen außer­halb machen. Was hatte der Aussät­zi­ge erzählt? Hatte Jesus ihn durch eine Berüh­rung kuriert?

 

Crossan glaubt nicht, dass der Mann körper­lich gesund wurde. Er glaubt auch nicht, dass Jesus das gekonnt hätte. „Ange­nom­men, ein Mann mit ausge­sto­che­nen Augen kam zu Jesus. Hat er ihn berührt, und seine Augen waren wieder da? Das glaube ich nicht eine Sekun­de. Und ich glaube nicht, dass die Leute im ersten Jahr­hun­dert das gedacht haben.“ Das steht auch nicht in der Bibel über den Aussät­zi­gen. Da steht: Er wurde rein. Unrein­heit ist eine sozia­le Kate­go­rie.


Crossan erin­nert sich, wie seine Studen­ten in Chica­go Anfang der neun­zi­ger Jahre nicht verstan­den, was er meinte. Dann schau­ten sie zusam­men den Film „Phil­adel­phia“. Tom Hanks spielt einen homo­se­xu­el­len Anwalt, der an Aids erkrankt. Er wird von der Gesell­schaft ausge­schlos­sen, von seiner Kanz­lei gefeu­ert, und keiner will ihm helfen, weil sie ihn als Schwu­len und Aids-Kran­ken verach­ten. Während er lang­sam stirbt, kämpft er für Gerech­tig­keit und Aner­ken­nung. Und er gewinnt; vor Gericht, im Freun­des­kreis, in der Gesell­schaft. Er stirbt als gelieb­ter, respek­tier­ter Mensch. Wurde er kuriert? Nein. Geheilt? Auf gewis­se Weise. Cross­ans Studen­ten verstan­den. Jesus „weiger­te sich, die ritu­el­le Unrein­heit und sozia­le Ausgren­zung der Krank­heit zu akzep­tie­ren“, sagt Crossan.

 

In den sech­zi­ger Jahren forsch­te Crossan in Rom. Einmal reiste er mit einer Gruppe nach Lour­des zur Wall­fahrt. Er sah bibli­sche Menschen, eine Prozes­si­on von Tauben, Lahmen und Blin­den. „Diesen Menschen wurde gesagt, wenn sie tief daran glaub­ten, würden sie geheilt werden. Sie kamen aber zurück, wie sie hinge­gan­gen waren, mit densel­ben Gebre­chen. Warum waren sie nicht am Boden zerstört? Sie erleb­ten eine Gemein­schaft der Kran­ken. Sie waren nicht mehr abnorm. Die Abnor­men waren die Gesun­den.“

 

Was Jesus heute tun würde? Er würde die sozia­len Folgen von Covid bekämp­fen, glaubt Crossan. „Er würde von denen sammeln, die Geld haben, und Masken kaufen für die Armen. Die Gemein­schaft ist wich­ti­ger als der Indi­vi­dua­lis­mus. Ein schrof­fer Indi­vi­dua­lis­mus ist das Schlimms­te, das einem in einer Pande­mie passie­ren kann.“

 

 

illustration: Evan Cohen - New York Times
Fans lieben nicht nur die Musik ihrer Favoriten, sondern auch die Plattenhüllen. Ein sogenanntes Sleeveface aus dem Band „Doppelalbum. Popmusik und Biographie“. Foto: Dennis Improda

 

 

Popsongs fürs Leben

 

Junge und ältere Menschen aus dem kirchlichen Bereich beschreiben in dem Band „Doppelalbum“, warum ihnen bestimmte Bands und Künstler viel bedeuten.

 

Von Thomas Klingbiel . NEUE WESTFÄLISCHE v. 9./10.Januar 2021, S. 8: Kultur/Medien

 

Bielefeld. „Let It Be“ von den Beatles hört Ralf Tyra zum ersten Mal 1971, bei einer Garagenparty seiner Cousine. Da ist er 14 und die Beatles haben sich schon aufgelöst. Damals mildert der Song für ihn den Stress mit den Eltern und den Druck in der Schule. Das Lied wird ihm das ganze Leben hindurch immer wieder Halt geben, auch als er mit 53 Jahren lebensbedrohlich erkrankt und düstere Monate durchmacht. In jener Zeit ist ihm Paul McCartneys mit Bibelzitaten gespicktes „Let It Be“ ein Licht, „das scheint, auch wenn man es nicht sieht“.

 

So formuliert es der Pastor und Leiter des Hauses Kirchlicher Dienste der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers in seinem Beitrag für den Band „Doppelalbum. Popmusik und Biographie“. 18 ältere, aber auch jüngere Menschen aus dem kirchlichen Bereich – Geistliche, Theologiestudentinnen, Kirchenvorständler – schreiben jeweils über zwei Alben oder Songs, die sie geprägt haben und die ihnen in religiös-spiritueller Hinsicht wichtig sind.

 

Annette Behnken (51) aus Bielefeld fühlt sich zwischen 18 und 20 vor allem von der Band „Ton, Steine, Scherben“ und deren Album „Keine Macht für niemand“ verstanden. „Auf den Punkt rausgerotzter Zorn“, schreibt die Pastorin, die heute Studienleiterin an der Ev. Akademie Loccum ist. Ihr Zorn richtet sich damals auf „14 Jahre Schulgefängnis und Lehrer, deren Autorität ich nicht ernstnehmen konnte.“ Dirk Brall (45), Leiter des Literaturhauses St. Jakobi Hildesheim, entkommt 1991 mit U2 und deren „Achtung, Baby!“ der dörflichen Enge seiner Jugend. Für Katja Lembke (55), Direktorin des Landesmuseums in Hannover und kulturelle Beraterin der Landeskirche, ist mit 14 Sandy aus dem Musical „Grease“ Vorbild genug für ihren „Wunsch nach Revolte und Befreiung“.

 

Die Idee zu dem Sammelband hatte Matthias Surall, bis 2016 ev. Studentenpfarrer in Paderborn und heute in Diensten der Landeskirche Hannovers. „Pop und Rock sind seit Jahrzehnten der Soundtrack des Lebens vieler Menschen“, sagt der 58-Jährige, der in „Doppelalbum“ seine Begeisterung für Bob Dylans „christliches“ Album „Slow Train Coming“ (1979) und Nick Caves „Dig!!! Lazarus Dig!!!“ erklärt. Als sogenannter Kulturpastor erkennt Surall in Popmusik nicht zuletzt eine „breite Anschlussfähigkeit“ für kirchliche Arbeit. Schließlich nutzt sie häufig religiöse Symbolik und berührt existenzielle Fragen von Liebe bis Tod. „Mit spirituellen Themen in Popsongs“, ist Surall überzeugt, „werden mehr Menschen erreicht als durch kirchliche Verlautbarungen, Andachten und Gottesdienste“.

 

Der biografische Soundtrack wird in der Jugend geprägt

 

Popmusik ist besonders wirkmächtig, weil sie als Gesamtkunstwerk auf verschiedenen Ebenen funktioniert – intellektuell, emotional, visuell, motorisch. „Nachhaltig wird der biografische Soundtrack in der Teenager-Zeit geprägt, wenn die großen Fragen erstmals anstehen, auch die nach der Selbstfindung“, erläutert Surall.

 

Das popmusikalische „erste Mal“ ist oft mit konkreten Erinnerungen an Ort und Zeit verbunden. Das spiegeln auch die in „Doppelalbum“ wiedergegebenen Erfahrungen. Der Plattenladen, in dem 1981 das komplette Taschengeld des Monats für das „Greatest Hits“-Album von Queen verprasst wurde, steht auch nach vier Jahrzehnten noch genau vor Augen. Der scheppernde, dennoch alles verheißende Sound aus der „Schneider-Kompaktanlage“, ist ebenfalls noch im Ohr. Eindringlicher sind jedoch die Passagen, in denen die Musik nicht nur Erinnerungen an früher auslöst, sondern in denen erzählt wird, warum man immer wieder zu ihr zurückkehrt, womöglich mitsingt und sie anderen dringend nahelegt.

 

Johannes Feisthauer (33), Pastor in Georgsmarienhütte, findet in Radioheads Album „In Rainbows“ (2007) jedes Mal aufs Neue „Wärme und den zutiefst menschlichen Ausdruck dessen, was den Menschen antreibt“. Pastorin Imke Schwarz (45) wird von Ina Müllers plattdeutsch gesungenem „Mama“ verlässlich in Gedanken in ihren norddeutschen Heimatort transportiert.

 

Stiftungsberater Martin Käthler hält schon fast rührend seit Jugendtagen an seiner einsamen Liebe zur Progrock-Band Camel und deren märchenhaften Songgeschichten etwa über Schneegänse und ein Mädchen namens Fritha fest. AC/DCs „Highway to Hell“ oder Hip-Hop finden sich beinahe erwartungsgemäß nicht unter den Musikvorlieben dieses Autorenkreises, ansonsten ist fast alles vertreten, vom Theologen-Liebling Leonard Cohen bis zum exquisiten melodischen Pop von Prefab Sprout.

 

Das Lebenslied von Jan von Lingen, Pastor und Liedermacher, ist Carole Kings „You’ve Got a Friend“. Ein junger Amerikaner brachte es 1979 dem damals 17-Jährigen bei, der mit Rucksack und Gitarre durch Frankreich trampte. Zu Hause in Deutschland zog das Lied mit der tröstlichen Botschaft, das in James Taylors Version zum Welthit wurde, auch von Lingens Familie und Freundeskreis in den Bann. „Bis heute wird es bei Treffen angestimmt“, schreibt er. „Inzwischen können es auch die Kinder auswendig.“

 

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EUGEN DREWERMANN: 

... aber die Liebe ist die größte unter ihnen ...

 

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In Herrlichkeit. Amen.


Von Hauke Goos | SPIEGEL +

 

"Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen."

 

Die deutsche Sprache zeigt häufig eine Vorliebe fürs Umständliche, Apothekerhafte.

 

Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgaben-Übertragungsgesetz. Das ist nicht schön. Doch auch das Deutsche kennt starke Wörter, wenn es um Wesentliches geht: Krieg und Tod, Neid und Gier, Hass und Furcht, Pein, Macht und Qual. Bei Gefühlen ist das Deutsche meist ganz bei sich, elementar und knapp.

 

Beim „Vaterunser“ geht es um Wesentliches. Und ums Gefühl. Jesus sagt seinen Jüngern in der Bergpredigt, wie sie beten sollen; wie man spricht, wenn man zu Gott spricht. Er will, dass sich die Christen von Pharisäern oder Heiden unterscheiden. Jede Religion braucht ein Alleinstellungsmerkmal, wenn sie erfolgreich sein will; das ist anspruchsvoll. Man muss es deshalb so einfach wie möglich erklären.

 

Jesus stieg für seine Predigt auf einen Berg. Das weckt zusätzlich Erwartungen. Der letzte, der vor Jesus auf einen Berg gestiegen war, war Mose. Er brachte immerhin zehn Gebote mit. Und, tatsächlich: Jesus lieferte. Seine Anleitung, Matthäus 6, 9-13, ist einer der bekanntesten Texte der Bibel – und das am weitesten verbreitete Gebet des Christentums. Das „Vaterunser“ enthält vor allem Bitten: bei Lukas fünf, bei Matthäus sieben. Nur die Matthäus-Version endet mit der Doxologie, dem „rühmenden Wort“. Es nimmt die Anfangsbitte wieder auf („Dein Reich komme“) und gibt die Zusage Gottes auffordernd an diesen zurück: „Denn dein ist das Reich...“

 

Dies ist das Finale. Es beginnt mit starken, einsilbigen Wörtern, als eine Art Anlauf: Denn dein ist das Reich und die Kraft. Das hat Wucht. Es könnte so einsilbig weitergehen, als ein treibendes ‚Voran‘. Es soll aber hinauf. Da hilft es, dass nun mit „Herrlichkeit“ ein dreisilbiges Wort folgt: Der Anlauf mündet in einen Dreisprung in Richtung Licht, Himmel, Abstraktion.

 

„Herrlichkeit“ und das nachfolgende „Ewigkeit“ sind auf den ersten Blick deutlich weniger sinnlich als beispielsweise das Englische „the glory, forever“, verschwatzter auch als das Lateinische (gloria in saecula). Sie sind aber auch gewichtiger; dadurch geben sie der Anrufung Gottes ein Fundament.

 

Ein mittelmäßiger Redner hätte an dieser Stelle drei Begriffe für ausreichend gehalten: Reich, Kraft, Herrlichkeit. Das funktioniert fast immer, bei „Glaube, Liebe, Hoffnung“ ebenso wie bei „Spiel, Satz, Sieg“. Überwältigend ist das „Vaterunser“, weil es über das Erwartbare hinausgeht, indem es ein Viertes hinzu nimmt: Ewigkeit. Jesus baut eine Treppe aus Wörtern, hin zum Großen, hin zum Größten, a stairway to heaven. So mitreißend kann Gewissheit sein: Nichts weniger als Herrlichkeit, nicht weniger als die Ewigkeit. Ein jubelndes Crescendo, vom Berg herunter in die Welt. 

 

Und dann, als Schlussstein, das Amen.

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der unbeobachtete beobachter

 

Lassen Sie Gott alles durchgehen, 
Pater Anselm?

 

Aus einem Interview von Arno Widmann, Berliner Zeitung mit Pater Anselm Grün

 

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Das Glaubensbekenntnis der geflüchteten Apostel

 

Ich glaube an Gott den Allmächtigen,
der sein Volk durch Exil und Exodus hindurch geleitet hat.
Den Gott Josefs in Ägypten, Daniels in Babylon.
Den Gott der Ausländer*innen und Immigrant*innen.

Ich glaube an Jesus Christus, einen vertriebenen Galiläer,
geboren fern von seinem Volk und seiner Heimat.
Der mit seinen Eltern aus seinem Land floh,
weil sein Leben in Gefahr war.
Als er in seine Heimat zurückkehrte,
gelitten unter Pontius Pilatus,
dem Diener einer fremden Staatsmacht.
Jesus wurde verfolgt, geschlagen, gefoltert
und zu Unrecht zum Tode verurteilt.
Am dritten Tage auferstanden von den Toten,
nicht als verachteter Ausländer,
sondern um uns die Staatsbürgerschaft in Gottes Reich anzubieten.

Ich glaube an den Heiligen Geist.
den ewigen Einwanderer aus Gottes Reich unter uns,
der alle Sprachen spricht,
in allen Ländern lebt und alle Völker vereint.

Ich glaube, dass die Kirche das sichere Zuhause aller Fremden und aller Gläubigen ist.
Ich glaube, dass die Gemeinschaft der Heiligen dort beginnt,
wo sich alle Menschenkinder in ihrer Vielfalt annehmen.
Ich glaube an Vergebung, die vor Gott alle gleichberechtigt
und an Versöhnung, die unsere Wunden heilt.
Ich glaube, dass Gott uns in der Auferstehung zu einem Volk machen wird,
unterschiedlich und ähnlich zugleich.

Ich glaube an das ewige Leben, in dem niemand ein Fremdling sein muss,
sondern alle eine Staatsangehörigkeit in Gottes Reich bekommen.
Dort herrscht Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

  (Im Englischen Original von Jose Luis Casal, deutsche Übertragung von Sandra Bils)

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