die schlacht um 
idlib ist vorbei


auch trümmergeröll kann "schön" sein
wenn der staub verweht ist
da ist kein einziger vogel im himmel
nicht mal ein geier
aber da spielen auch keine kinder
da ist kein mensch


der 7-jährige krieg
der 17-jährige krieg
so hat es bin laden gewollt
schaut in den schlund
seines vermächtnisses
und ich sehe das bild 
von mohamed atta
im flugzeug mit kurs
auf die türme 
ich meine immer noch
beim heiseren klang 
seiner stimme sei ewiges eis 
aus dem himmel gestürzt


da ist kein einziger vogel im himmel
nicht mal ein geier
seit 7 jahren
werden die karten neu gemischt
aber da spielen jetzt 
keine kinder mehr mit
und keine geier
ausgezockt - verzockt


sinedi 

.

Ahnengalerie


Ein Lied mit ihnen zu summen
Hinter uralten Thresen
In verräucherter Enge – gelbschwer
Starren sie mich an – rotgerändert
Aus den Augenhöhlen dunkler Schädel
Sie heben an:
Und die Orgel bläht auf
Und ebbt ab 
Und bläht auf
Und ebbt ab
Stumpf harrt die Fuge.


Der gefrorene Boden:
Eissand hier und Schneesteppe da
Und das gelbe Rohr
Zerknickt als Gebein.


„Wir haben doch nur Euer Glück gesucht!“
Hinter dem Horizont
Unter den Wassern
Über den Wolken
In den Stollen und Höhlen:
Klirren nicht weissgoldene Kettchen
An den Fesseln ? 
Am Hals ?


Sie rappeln sich auf:
Die graue Asche aus den Urnen
Verhindert ein erneutes Ausgleiten.
Wieder zu Stein geworden
In alle vier Winde zerstäubt:
Die da waren
Die da sind
Und die da kommen ...


Und die Orgel bläht auf
Und ebbt ab 
Und bläht auf
Und ebbt ab
Stumpf  harrt die Fuge.


sinedi

ANFANGS oder 
Schlussendlich 
Führt mich der Weg hinan
Mit holprigen Schritt
Hinauf zur Buddha-
Statue aus 
Tuffgestein
Befestigt am sicheren 
Führungsband 
Dem Sherpa um den 
Leib gewunden
Mit Singsang und Murmeln
Über Tauschnee hinweg
Wo kristallkare Eisbäche
Den Gongschlag kreuzen
Ein Stein kann nicht bluten
Und Tuff nicht zerfließen
Doch sollt mich die Träne
Des Buddhas treffen
Noch in dieser Nacht
Dem Sherpa dafür
Dreiszig Silberlinge
Für einen einzigen feuchten 
Kuss nur

 

sinedi

 

 

A 2 - Bielefelder Berg


Dreispurig hinan 
Hinan und schalten
Schalten hinauf zu diesen 
Diesen herbstbunten Brokkoli-Hügeln da 
Da hinten 
Hinten im Rückspiegel überholen Lastwagen 
Lastwagen in Herbsttarnfarben im nebligen Dunst
Dunst am besten in der Mitte
Mitte bleiben 
Bleiben (100 km Höchstgeschwindigkeit
Höchstgeschwindigkeit ab hier!) da schlängelt der Asphalt
Asphalt sich hinauf 
Hinauf zwischen der Abtau-Anlage fürs Glatteis
Glatteis im Winter
Winter direkt zwischen 
Zwischen weiche jetzt buntgeperlte Hügel
Hügel mit dem braunen Kruselkopf-Wälder-Bestand hoch
Hoch empor geradewegs in die Sonne
Sonne die jetzt 
Jetzt feuerrot aufschwebt 
Aufschwebt wie der Heißluft-Ballon gleich 
Gleich nebenan und
Und bis kurz 
Kurz vor Mittag auf dem 
Dem Teuto weiter zu tanzen

Direkt vor und
Unterhalb dieser Brücke geht’s dann
Ab ins Tal 
Lastwagen und Wohnwagen-Gespanne
Bremsen ab hier Bremsen 
Ab gleich kommt eine
Ausfahrt...

 

sinedi

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In der Hitze des Höllenfeuers

 

 

 

Hinter den sieben Hügeln
Einst von Ratten verführt
Kam sie diesmal
Mit der Tagesration 
Dampfenden Grünkohl löffelnd 
Nach dem ersten Frost
Gefroren eben
Noch in der Hitze des Höllenfeuers
Überm Glatteis


Und die Kohlköchin wisperte übergriffig
Zu Vertraulich gar mit
Madame Sosostris der 
Wahrsagerin aus 
Düsseldorf sie raunten sich
Mysterien zu und wussten und
Schnitten die Zwiebeln
Die Rinderwurst in Scheiben
Die üblichen Tränen zu weinen


Dortmunder Frauenstimmen
Sind wie Kupfer
Rostig lachend 
Ein deutig Zwei
Guttural näselnd
Am dampfenden Kohl
Im Dunst der Zeit
Sozusagen 


Und der Besen steht ja noch
An seinem angestammten Fleck
Wo die grünen Fliegen brummen
Im Schweinehöffken:
Sag endlich brav Auf Wiedersehen!
Zu Tante Frieda
Für ne Mark –
Für nen Groschen
Für nen Fuffziger
Sag endlich brav Auf Wiedersehen!
Zu Tante Frieda


Ja kann denn
Ja kann denn
Dies Gebein nicht die
Weiche sein –
Zum Strang in die Weite –
Da wo die Hexen tanzen
Oben auf der Luherheide


Und das habt zum Zeichen:
Der Wind wird wehen
Da wo sie die Kapelle erbaut
Auf heidnischen Flecken
Auf die entweihte Krume
Da wo Zwerge  noch lachen
Mitten im Hochamt
Mit Speichel gurgeln
Fäden ziehen
Bläschen zerspringen lassen
Aufmucken und krähen


Und da wo der Kelch das
Heilige Blut verschüttet
Wo das Neonkreuz
Rot in die Himmel reckt
(Auf dem Rabenkrähen rasten
Und direkt verdauend
Das rot-oxydierende Kupferblechdach
Großfleckig besudeln)


In die tanzenden Flocken
Aus eisigen Tränen
(Noch lebte der Mann!)


A und O:
Deine Beine gespreizt
Zum Anfang und am 
Ende deine beiden Beine
Unter meinen Achseln
Ganz wie im Pflaumenbaum
Wie eine Bahre gezogen
Mutti
(Wo ich ihr 
Und  sie mir
Doch so fremd geworden)
Entsorgt
Der Kopf als Anhängsel
Hinterdrein über Stock
Und Stein genickt
Gekegelt
In diese Gruft verworfen


Nur auf dem Lottoschein noch
Die Kreuze wie
Auf einem Wahlzettel
Auf einem Ehrenfeld
In Reih und Glied
Abteilung Sektion
Sechs aus Neunundvierzig
Das große Los
Im Mittwochslotto
Da ist jetzt mehr drin


Gefroren eben noch
In der Hitze des Höllenfeuers

 

sinedi

 

 

 


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