lightning meets peacock butterfly

 

wenn abstrakte formen
einen sinn ergeben sollen
dann trifft der blitz
diesen tagpfauenauge

- mitten ins herz

 

der donnerschlag, den
dieses treffen auslöst
klingt weißblechern
mit etwas randgeklimper
im nachhall bröckelnd

- himmlisch weiß glöckchen

 

als wenn möhrenartige eiszapfen
bei tauwetter auf den boden
zer-klirr-klirr-klirren
und in scherbchen springen

- eissand knirscht mir unter den sohlen

 

wer weiß schon - was damit
ausgelöst wird - wenn ein flügelschlag
bereits einen tsunami auslösen kann:
ein jedes hat sein eigenes denken & tun ...

- all die jahrhunderte

 

 

sinedi

es ist ein kommen & gehen
auf den fassaden dieser welt:


wer mit dem fahrstuhl hochfährt
der fährt mit ihm auch wieder runter


manche klettern sprosse um sprosse
bis dass der wagen bricht ...

 

und oben angekommen
ist der fall so tief so tief


und dieses aufprallklatschen
unten - ganz unten ...


wahrscheinlich bleibt die 
kleine delle im trottoir

 

also bleibt das verharren
bis dass der pelz wächst


beschlagen und belegt 
die gespaltene zunge


hält sie sich zurück
oder klammert sie sich ganz fest
bis sie wurzeln schlägt ...


sinedi

heute nacht erst wieder
bin ich in das lichtloch - hinein - gefallen
da im schwarzen torgeviert ...
dahinter diese steil ausgetretene
grau bestäubte treppe

 

mit holzscheiten und alten beschlägen
und kleinen spitzfindigen antiquitäten:
talismane gespalten und abgeleckt
angekaut auch hier & da
und beim blick aus dem bullauge
diese rot-grün blinkende goldskyline
einer elenden provinzstadt

 

ja - die summt - sie summt diese stadt 
von ferne - und schluckt sich auf 
aber drinnen nur dieser schmale
tastende gang durch all den kram

 

alte tarotkarten ewig verstreut

ein blauroter fächer

seidenpapier-fallschirme
mit grünen monsterspringern - 
die beine abgespreizt

 

ein amerikanischer jeep
mit einem funker auf der soziusbank:
dididadid dadidid dadadid
und viel staub auch
gefährlicher staub von tropenhölzern

 

und dann die treppe nach oben
gewendelt - auf der bühne entlang
allmählich absteigend wie ein ast
großkopferte bleiben hier außen vor
außen vor:

 

das ist der intimbereich des hirns
das ist der gang durch die ewigen
jagdgründe - vorm aufblühen der lunge

 

und auf der anderen seite
treppab - stufe für stufe
mit löchern im schritt
durch denen es funzelig glimmert

 

wer mag da drinnen leuchten
wer mag da drinnen wandeln
gewandt immer an der wand lang wandeln
und immer dieses summen und wispern
allhier auf grüner heid ...

 

 

 

sinedi 

 

ja - sagt dieser gnom zu der königstochter

- wenn du meinen namen errätst - 
darfst du dein kind behalten ...

 

wenn sich lettern aus licht auftun
sich tanzend begegnen nach all den jahren
sich anmachen - sich auspreisen - nicken

und finden sich zu namen und setzen
sich jeweils einen o (punkt) davor
eintausendsiebzehn mal -

punkt für punkt

eine beeindruckende strecke
für jagdaufseher und wachmänner
für lokomotivführer und fahrdienst
leiter: sprosse für sprosse 
hochgeklettert und verstrickt
auch mit der pharmaindustrie

bis in die grauen busse bis auf die rostigen
schienen: herford hannover berlin frankfurt
anderoder warthegau poznan gniezno

allüberall die roten backsteinbauten
mit desinfektionsgeruch und einer prise urin in der nase -

und den feuchten laken
verknuddelt auf besudelten matratzen
von der gelben suppe betört 

und draußen: all die särge
und all die krähen auf den fichten
und all die spinnweben
die spinnweben

die gebuddelten löcher
in denen sand rieselt
beim ablassen der seile
der alten seilschaften
der alten netzwerke

da - da kräht der blaue rabe
und streckt sich
raschelt mit dem gefieder
eh ihn die katz holt ...

 

 

sinedi

 

ja - was denn:

das da - das ist
dieses gegenseitige belauern:
und immer ist - ist ein mord vorstellbar ...

 

das plötzliche blanklegen
der funkelnd scharfen stahlwaffen
das leichte knirschen dann - 
beim einstich: und dann - dann 


sickert - dann läuft - sprudelt 
dann pulsiert das blut - 
um den tatort zu bebildern ...

sowas nennt man "augenhöhe"
face to face


da ist neugier aufeinander
auf den nächsten zug
da ist der bann des augenblicks
und der augenblick des bannstrahls
fixierung - aug um aug
zahn um zahn - 

ein allerletztes gefecht ...

 

ja - was spiegelt sich da
in der pupille des gegenübers
auf der feuchtigkeit der netzhaut
das leichte zittern
die handtranspiration
beim nächsten zug

 

wenn das rössl entgleitet
beim rösslsprung
die diagonale des läufers
zugestellt wird vom bauern
da rochiert dann der könig:

alle felder zwischen könig 
und turm müssen frei sein

 

um mit dem turm rechts 
von deinem könig zu rochieren
müssen der läufer und der springer 
auf dieser seite sich 
bereits wegbewegt haben


wenn du mit dem Turm links von deinem 
könig rochieren willst
müssen der läufer, der springer 
und die dame sich bewegt haben

 

und genauso wenig dürfen 
die felder von figuren 
deines gegenspielers besetzt sein

du kannst also nicht rochieren
um eine Figur zu schlagen ...

 

der könig darf momentan 
nicht im schach stehen 
und auch nicht während 
und nach der rochade

 

und wenn du früher im spiel 
im schach gestanden hättest, 
aber im moment nicht mehr, 
darfst du rochieren


wenn der turm angegriffen wird, 
darfst du trotzdem rochieren

 

 

sinedi 
- unter verwendung von einschlägiger schach-literatur

 


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