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Kinder-Euthanasie . Children Genocide

... und einen aktuellen WELT-Bericht v. 6.7.21 zu den Kindermorden in Canada liest du hier

Aboriginal-Kinder um 1900: Anfang des 20. Jahrhunderts setzte Australien ein perfides System in Kraft. Indigene Kinder wurden ihren Familien und Gemeinschaft gewaltsam entrissen, um sie ihrer Kultur zu berauben und sie zu assimilieren. Auch heute noch müs

 

 

 

indigene kinder


Australiens gestohlene Generationen
Auch in anderen Teilen des Commonwealth wurden Kinder aus rassistischen Motiven geraubt und misshandelt. Eine offizielle Entschuldigung kam spät

 

VON SVEN HANSEN - taz

 

„Heute ehren wir die Ureinwohner dieses Landes, die ältesten ununterbrochenen Kulturen in der Geschichte der Menschheit. Wir denken nach über ihre Misshandlung in der Vergangenheit. Wir denken vor allem nach über die Misshandlung derer, die zu den ‚Stolen Generations‘ gehören – dieses befleckte Kapitel in der Geschichte unserer Landes“, heißt es in einer von Australiens Parlament am 13. Februar 2008 in Canberra verabschiedeten Resolution. „Wir entschuldigen uns vor allem dafür, dass Kinder von Aborigines und Einwohnern der Torres-Strait-Inseln ihren Familien, ihren Gemeinden und ihrem Land weggenommen wurden.“


Mit der vom damals neuen sozialdemokratischen Premierminister Kevin Rudd vorangetriebenen Resolution wurde endlich ein jahrzehntelanges Unrecht an den australischen Ureinwohnern offiziell anerkannt. Es ist dem rassistischen Umgang mit der indigenen Bevölkerung in Kanada nicht unähnlich.

 

Die Regierung von Rudds konservativem Vorgänger John Howard hatte eine offizielle Entschuldigung noch verweigert, aber die Ausbreitung einer entsprechenden Stimmung in der australischen Zivilgesellschaft nicht verhindern können. So hatte etwa im Mai des Jahres 2000 rund eine Viertel Million Menschen in Sydney an einem Versöhnungsmarsch teilgenommen. Die dann endlich acht Jahre später erfolgte Resolution des Parlaments wie auch eine von Rudd ausgesprochene gesonderte Entschuldigung bei den Aborigines waren ein längst überfälliger und bei den Opfern willkommener Schritt. Gleichwohl lehnte auch der Sozialdemokrat Rudd Entschädigungen finanzieller Art ab.

 

Zwischen dem späten 19. Jahrhundert und den 1970er Jahren waren rund 100.000 Aborigines-Kinder gewaltsam ihren Eltern weggenommen worden, um sie in die „weiße Kultur“ einzugliedern. Zwischen 10 und 30 Prozent der indigenen Bevölkerung waren Schätzungen zufolge davon betroffen. Die Maßnahmen zielten auch auf Kinder aus gemischten Verbindungen, die keinen Kontakt zu Aborigines mehr haben sollten. „Sie sollten lernen, wie Weiße zu denken, zu handeln und auszusehen“, erklärte Jason Field, der an einem aufsehenerregenden Bericht von 1997 beteiligt war.

 

„Bringing Them Home“, ein 700 Seiten starker Bericht, der eine Kompensation und eine Entschuldigung forderte, hatte das Ausmaß der rassistischen Assimilierungspolitik dokumentiert und die inneraustralische Debatte angeheizt. In Kinderhorten „waren Mädchen auf eine Ehe mit europäischen Männern vorbereitet worden, und die Jungen zog man zu harter körperlicher Arbeit heran. Hier lehrte man sie, ihr eigenes Volk zu fürchten und ihre eigene Hautfarbe zu hassen,“ schrieb die taz damals über den Bericht. „Das führte dazu, dass Kinder versuchten, die Farbe ihrer Haut abzukratzen,“ erzählte Field. Der Bericht enthüllte auch, dass die Kinder oft psychisch, physisch und sexuell misshandelt wurden, obwohl die Trennung von ihren leiblichen Eltern ausgerechnet damit begründet worden war, dass diese angeblich nicht für ihr Wohl sorgen könnten.

 

So überfällig die Entschuldigung von Parlament und Regierung war, so überfällig ist es geblieben, die Benachteiligung der heute rund 450.000 Aborigines zu bekämpfen. Ihre Lebenserwartung ist wesentlich geringer als die ihrer nicht­indigenen Landsleute.

 

 

 

Standbild des Filmmaterials der Kamloops Indian Residence School, ca. 1937 (Mit freundlicher Genehmigung: YouTube/Royal BC Museum) - toronto.citynews.ca

 

 

Indigene in Kanada - Kultureller Genozid

 

Überreste von 215 Kindern entdeckt


In einem ehemaligen kanadischen Internat sind die Überreste von 215 Kindern gefunden worden. Sie seien indigen und teilweise erst drei Jahre alt gewesen.


OTTAWA afp | Auf dem Gelände eines ehemaligen Internats für Kinder von Indigenen in Kanada sind die sterblichen Überreste von 215 Kindern gefunden worden. Die Überreste seien mit einem speziellem Sonargerät entdeckt worden, erklärte die indigene Gemeinschaft Tk'emlups te Secwepemc am Donnerstagabend. Einige der toten Kinder seien erst drei Jahre alt gewesen, sagte ihre Leiterin, Rosanne Casimir. Das katholische Heim nahe der Kleinstadt Kamloops war vor über hundert Jahren eröffnet worden, um Kinder von Indigenen zwangsweise in die Gesellschaft der europäischen Immigranten zu integrieren.

 

Der Tod der Kinder sei von der damaligen Schulleitung nie dokumentiert worden, obwohl ihr Verschwinden von Mitgliedern der Gemeinde gemeldet worden sei. Wie die Kinder ums Leben kamen, ist noch unklar. Die Gemeinde will mit Gerichtsmedizinern und Museen in der Gegend zusammenarbeiten, um die Umstände aufzuklären. Die vorläufigen Ergebnisse sollen im Juni in einem Untersuchungsbericht veröffentlicht werden.

 

Die kanadische Ministerin für die Beziehung zu indigenen Einwohnern, Carolyn Bennett, erklärte bei Twitter: „Es bricht mir das Herz für die Familien und Gemeinden, die von dieser tragischen Nachricht betroffen sind.“

 

Das ehemalige Internat, das von der katholischen Kirche im Auftrag der kanadischen Regierung betrieben wurde, war eines von 139 Zwangsinternaten, die gegen Ende des 19. Jahrhundert in Kanada errichtet wurden. Es wurde 1890 eröffnet und hatte in den 50er Jahren bis zu 500 Schüler. Erst 1969 wurde das Internat geschlossen.

Nach Angaben der indigenen Gemeinde beschwerte sich der Schulleiter des Heims in Kamloops im Jahr 1910 darüber, dass die Regierung nicht genug Geld zur Verfügung stelle, um „die Schüler angemessen zu ernähren“.

 

In Kanada waren ab 1874 rund 150.000 Kinder von Indianern, Mestizen und Inuit von ihren Familien und ihrer Kultur getrennt und unter Zwang in kirchliche Heime gesteckt worden, um sie so zur Anpassung an die weiße Mehrheitsgesellschaft zu zwingen. Viele von ihnen wurden in den Heimen misshandelt oder sexuell missbraucht. Mindestens 3.200 starben, die meisten an Tuberkulose.

 

Viele indigene Gemeinschaften machen die Heime, die ganze Generationen geprägt haben, heute für soziale Probleme wie Alkoholismus, häusliche Gewalt und erhöhte Selbstmordraten verantwortlich. Ottawa entschuldigte sich im Jahr 2008 offiziell bei den Überlebenden der Internate. Sie seien Opfer eines „kulturellen Genozids“, stellte eine Untersuchungskommission im Jahr 2015 fest.

 

taz v. 29.05.2021

 

 

Die gepeinigten Seelen von Kamloops

 

Der grausige Fund von 215 toten indigenen Kindern erinnert Kanada an eines der unrühmlichsten Kapitel seiner Geschichte

 

Von Gerd Braune, Ottawa

 

Seit Jahren setzt sich Kanada schonungslos mit einem der dunkelsten Kapitel seiner Geschichte auseinander: der Unterdrückung und Misshandlung vieler Kinder der indianischen Völker in staatlichen Internatsschulen. Nun haben grausige Funde auf dem Gelände einer ehemaligen Schule diese Tragödie erneut ins Bewusstsein gerufen. Dort wurden die sterblichen Überreste von 215 Kindern aus First Nations entdeckt. Premierminister Justin Trudeau äußert sich betroffen, das Parlament legt eine Schweigeminute ein.

 

Auf der Treppe der Kunstgalerie von Vancouver stehen 215 Paar Kinderschuhe. Sie sind ein erschütterndes Mahnmal, das spontan errichtet wurde. Jedes Paar symbolisiert ein Kind, dessen sterbliche Überreste auf dem Gelände der früheren „Residential School“ in Kamloops im Landesinneren der Pazifikprovinz British Columbia gefunden wurde. Mit einer Radartechnologie, die den Boden durchdringt, war das Gelände untersucht worden. Am Wochenende wurde ein vorläufiges Ergebnis der Öffentlichkeit präsentiert. Die Untersuchungen bestätigen, was die Angehörigen der im Raum Kamloops lebenden First Nation vermuteten, aber bisher nicht nachweisen konnten: Dass zahlreiche ihrer Kinder in dieser Schule ums Leben kamen und ihr Tod nicht dokumentiert, sondern verschwiegen wurde, und dass sie rund um die Schule begraben wurden. „Es ist niederschmetternd, das zu erfahren. Das ist eine brutale Wirklichkeit, und es ist unsere Wahrheit, es ist unsere Geschichte“, sagt Rosanne Casimir. Sie ist Chief der Tk’emlups te Secwepemc First Nation, also Häuptling dieser First Nation. „Wir mussten immer darum kämpfen, sie zu beweisen.“

 

Residential Schools sind Internatsschulen, die vom Staat eingerichtet, aber überwiegend von Kirchen geführt wurden. Die ersten wurden bereits vor Gründung Kanadas 1867 geschaffen. Sie wurden dann zu dem dominierenden Schulsystem für die Kinder der Ureinwohnervölker: für die Kinder der First Nations, wie die indianischen Nationen genannt werden, des Volks der Inuit und der Métis. 130 dieser Schulen gab es in Kanada. Residential Schools bestanden bis in die 1990er Jahre, aber Ende der 1960er Jahre setzte ihr rascher Niedergang ein, als die schlimmen Folgen dieses Schulsystems immer deutlicher wurden.

 

Die Schulen hatten das Ziel, die Kinder in den von europäischen Einwanderern geprägten Staat einzugliedern. Assimilieren aber bedeutete, ihre indigene Identität und Kultur zu zerstören. Die Kinder wurden ihren Familien entrissen und in die Schulen gebracht, die meist außerhalb ihrer Reservate lagen, viele sehr weit entfernt. Über Monate und manchmal Jahre hinweg sahen sie ihre Familien nicht. Sie verloren ihre Identität und ihr Selbstwertgefühl. Sie durften ihre Muttersprache nicht sprechen, ihre Bräuche nicht pflegen. Zu den dunkelsten Seiten innerhalb dieses ohnehin tragischen System gehörte der sexuelle Missbrauch. Kinder wurden körperlich gezüchtigt, etliche begingen Suizid oder flohen aus den Residential Schools. Bis heute ist das Schicksal vieler Kinder ungeklärt, die in Internaten oder auf der Flucht ums Leben kamen.

 

Viele Probleme indigener Gemeinden – zerstörte Familien, Alkohol- und Drogenmissbrauch und Gewalt – werden auch auf die Residential Schools zurückgeführt. 2008 entschuldigte sich die kanadische Regierung bei den Angehörigen der Ureinwohnervölker. „Die Regierung von Kanada entschuldigt sich aufrichtig und bittet um die Vergebung der indigenen Völker dieses Landes. Es tut uns leid“, sagte der konservative Premierminister Stephen Harper. 2015 bezeichnete die „Wahrheits- und Versöhnungskommission“ Residential Schools als „Bestandteil einer bewussten Politik des kulturellen Genozids“.

 

Die Internatsschule von Kamloops war 1890 eröffnet und 1978 geschlossen worden. Sie war zeitweise die größte Residential School in Kanada. In den First Nations hielten sich die Geschichten von Kindern, die nie mehr nach Hause zurückkehrten. Bereits vor 20 Jahren wurden erste Versuche unternommen, die sterblichen Überreste von Kindern zu lokalisieren. Nun wurde mit finanzieller Unterstützung der Provinz neue Radartechnologie eingesetzt. Damit konnten nach Angaben von Chief Casimir die Überreste von 215 Kindern gefunden werden. Es sind nach ihren Aussagen bisher nicht dokumentierte Todesfälle. Einige Kinder sind sehr jung – die jüngsten sollen drei Jahre alt sein. Ein ausführlicher Bericht soll im kommenden Monat veröffentlicht werden.

 

Premierminister Justin Trudeau sagte, die Nachricht von der Entdeckung der toten indigenen Kinder sei eine „schmerzvolle Erinnerung an dieses dunkle und schändliche Kapitel der Geschichte unseres Landes“. Für die indigenen Völker durchleben mit den Entdeckungen von Kamloops erneut die dunkelste Phase ihrer Geschichte. „Jeder Kanadier muss lernen, was damals geschah, und welche Traumata das über Generationen hinweg verursachte“, sagte ein Sprecher von First Nations in der Provinz Manitoba.

 

Seit 1998 hat sich die kanadische Regierung bei mehreren Gelegenheiten für das Leid entschuldigt, das die Residential Schools angerichtet haben. Die Rechte der indigenen Völker in Kanada wurden seit den 1970er Jahren gestärkt. Der Lebensstandard hat sich in vielen Gemeinden verbessert, aber er ist immer noch niedriger als der der nichtindigenen Bevölkerung. Es gibt soziale Not, es herrscht Wohnraummangel, das Gesundheitswesen ist unterentwickelt und zahlreiche Gemeinden haben keinen gesicherten Zugang zu sauberem Trinkwasser. Hinzu kommt ein anhaltendes Problem mit Diskriminierung und Rassismus, die die indigenen Völker immer noch spüren.

Nach der grausigen Entdeckung von Kamloops werden nun Pläne ausgearbeitet, die Kinder zu identifizieren und ihre Überreste in ihre Gemeinden zu bringen. Danach steht die Tk’emlups te Secwepemc First Nation vor der schmerzvollen Aufgabe, den betroffenen Familien nach Jahrzehnten der Ungewissheit mitzuteilen, was mit den Kindern geschah.

 

tagesspiegel v. 31.05.2021

 

Videoquelle: DIE ZEIT

Digitale Kopie aus dem Bundesarchiv über Sonderzuwendungen für NS- Krankenpflege-Personal in der Kinder-Euthanasie

Mitarbeiter*innen der Kindereuthanasie erhielten Belohnungen. Die Akte dazu, wer wann wieviel bekam bietet das Bundesarchiv digitalisiert an: click

Infos, Bildserien und Ausstellung zur "Kindereuthanasie"

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Virtueller Rundgang durch die Wanderausstellung " Im Gedenkenken der Kinder" der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ)

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Kaelber, Lutz - Raimond Reiter (Hg.):

 

Kindermord und "Kinderfachabteilungen" im Nationalsozialismus - Gedenken und Forschung

 

Peter Lang, 2011


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