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Glenn Gould:

Beethovens Pianosonate No. 23 "Appassionata"

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° geschichte.leben.

    gedenken . geh denken . 

 

als eine art "aktuellen prolog"

möchte ich den auszug eines  artikels vom "welt"-autor thomas schmid voranstellen, in dem er das internet als neuartige globale verortungs-, informations- und gleichwertig würdige gedenkmöglichkeit miteinbezieht, wenn er über standort und gestaltung eines gedenkzeichens bezüglich der gräueltaten im nachbarland polen nachdenkt, auch im hinblick auf die verheerenden zivilen völkerrechtsverbrechen gegenüber weiteren slawischen volksgruppen "im osten"...

 

............

 

Es gibt nichts,

was so unsichtbar wäre

wie Denkmäler

 

Zumal es heute schon gar nicht mehr ums Verherrlichen gehen kann. Nicht Personen, sondern Ereignisse sollen mit einem Denkmal memoriert werden, gute, schöne, erstmals aber auch schreckliche. Zudem trägt jedes neue Denkmal heute die Crux, dass es längst kein Monopol auf Darstellung von Erinnernswertem mehr hat.

 

Wer sich Vergangenes vergegenwärtigen will, wählt den kurzen Weg des Zugriffs aufs Allgegenwärtige: Er geht ins Internet.

 

Wie es die privaten Trauerforen im Netz gibt, so könnte es dort auch Gedenkforen geben. Wozu also noch Denkmäler? Vor knapp 100 Jahren hat Robert Musil einen Kalauer in die Welt gebracht, der schnell Verbreitung und Zustimmung fand. Er sagte: „Es gibt nichts in der Welt, was so unsichtbar wäre wie Denkmäler.“ Wie alles, was wir immer wieder sehen, wird es bald zur Stadtkulisse, man geht achtlos und unberührt daran vorbei.

Schärfer noch hat es Claude Lanzmann in dem Motto formuliert, das er seinem großen Film „Shoah“ von 1985 voranstellte:

 

„Es gibt heute zwar eine große Anzahl von Museen, Denk- und Mahnmalen. Die aber dienen dem Vergessen ebenso wie der Erinnerung. Sie verwalten die Erinnerung, die zur toten Materie wird.“

 

Das ist eine schwere Hypothek. Fast alle Denkmalformen sind verbraucht, vom sozialistischen Realismus bis zur abstrakten Figuration. Das soll nicht heißen, Denkmäler, die ihre Funktion erfüllen, seien unmöglich geworden. Das Berliner Holocaust-Denkmal beweist das. Doch nur teilweise. Denn dessen stilistische Strenge und Kargheit steht in deutlichem Widerspruch zur Monumentalität des Ganzen. Hier wurde offensichtlich noch einmal versucht, einen Rest der alten Herrschaftlichkeit von Denkmälern in unsere Zeit hinüberzuretten.

 

Auszug aus einem Artikel zur Mahnmal-Debatte: "Was Polen angetan wurde, braucht in Berlin einen eigenen Ort des Gedenkens" . Von Thomas Schmid . aus DIE WELT vom 27.10.2020, Seite 8 Politik

 

 

Mahnmal für die NS-"Euthanasie"-Morde in Berlin - Tiergartenstraße: Ausrufezeichen aus blauem Glas - (click)

  "in memoriam" triptychon zu erna kronshage

Angeregt durch Gerhard Richters Bild „Tante Marianne“ (1965) sowie seinem „Birkenau“-Zyklus (2014) habe ich dieses digital-virtuelle online-Memorialtriptychon zusammengestellt 
zum Andenken an meine Tante
Erna Kronshage (1922-1944),
die nach Einweisung, Zwangssterilisation und Deportation, schlussendlich Opfer der NS-Euthanasie wurde –
in einer 484-Tage währenden Leidensgeschichte.
 
Das Triptychon besteht aus den Motivtafeln:
 
1. Leben -2. Unfrucht -3. Auszählen -


Die linke Tafel: 
Leben – Impuls – Springtime

 

Von der ungebundenen, aufspringenden unbeschwerten, 
sich entwickelnden und profilierenden Vitalität… 


Die Tafel in der Mitte: 
Unfruch

 

…hin zur plötzlichen „Unfruchtbarmachung“: 
aus der verbrämten „erbgesundheitlich“ verirrten Zeitgeist-Denke wird das Leben zum menschlich berechneten Kalkül und führt zu Ex-klusion und Ausgrenzung…


Die rechte Tafel:
Auszählen – das Maß ist voll

 

… zur Reduzierung aller Individualität & Persönlichkeit hin zur Prüfung der bloßen Funktionalität und Verwendbarkeit – als nur noch eine Nummer in der Verfügungs- und Verschiebemasse, wo die Ergebnis-Summe auf "wert" und "un-wert" geprüft und abgewogen werden: „friss oder stirb“…
 
… und letztenendes dann zur Tötung – zum Mord – zur „Ausmerze“ ...

 

 

 

 

© eddywieand-sinedi.de 

Stolperstein zum Gedenken an Erna Kronshage in Sennestadt zum 90. Jahrestag ihres Geburtstages

Namensband mit 1.017 Opfernamen im LWL-Klinikum Gütersloh

 

 Im "Raum der Namen" in der düsteren Klinikkapelle in der LWL-Klinik Gütersloh werden aus der Zahl der 1.017 Opfer wieder Individuen. Jedes der Euthanasieopfer ist auf er- und be-leuchtenden, die Wände des inneren Kirchenschiffs auf Hüfthöhe umlaufenden Paneelen verzeichnet.

 

Die Nennung der Namen - darunter auch ERNA KRONSHAGE - machen uns klar, dass wir eben nicht vor einer anonymen, unvorstellbar großen Menge stehen, sondern dass es Menschen aus unserer unmittelbaren Umgebung waren, die vernichtet wurden. Dieses Bewusstsein können nur lokale Orte des Gedenkens schaffen. 1.017 Patienten allein aus Gütersloh wurden Opfer dieser sogenannten "Euthanasie"-Deportationen in die Vernichtungsanstalten 1940-1945. Ein Großteil wurde in der Gaskammer von Hadamar, der zentralen Tötungsanstalt für die westfälischen Patienten, oder zum Beispiel in den Tötungsanstalten im besetzten Polen in Meseritz-Obrawalde oder Tiegenhof/Gnesen ermordet.

 

Diese Menschen starben gezielt und planvoll durch Überdosen an Medikamenten, durch Hunger, Kälte und katastrophale hygienische Verhältnisse in den Durchgangs- und Zielanstalten. Neben diesem beeindruckenden Leucht- und Namensband - graphisch gestaltet vom Bielefelder Designer Mario Haase - komplettieren ein "Rundgang zur Klinikgeschichte" auf dem Friedhof und ein "Stein des Gedenkens" mit einer Inschriftplatte diese Verortungen des "Erinnerns und Gedenkens" - nun endlich - nach 70 Jahren des würdelosen vornehmlichen Verschweigens ... 

 

Die Reden zur Eröffnung der neuen Gedenkstätte lesen Sie - wenn Sie auf das Bild clicken ^...

gedanken zum november-deportations-gedenken
 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Für die Durchführung der Deportations-Transporte am 12. November 1943 in weiter östlich gelegene Tötungsanstalten teilte die "Gekrat" (eine Tarnorganisation für Deportations-Transportlogistik mit "Grauen Bussen" und der Reichsbahn in die "Euthanasie"-Tötungsanstalten  - nun nicht mehr wie ursprünglich in Berlin, Tiergartenstaße 4 - sondern in "Hösel bei Ratingen/Rhld." - jetzt als Unterabteilung einer effizienten "Eingreiftruppe" für die Lazarettbetten-Beschaffung... - direkt dem Generalkommissar für das Reichgesundheitswesen Prof. Dr. Karl Brandt unterstellt) am 28. Oktober unter dem Original Gekrat-Stichwort "Sonderaktion Brandt" mit:

 

"Sehr geehrter Herr Direktor Hartwich! Zum Abtransport Ihrer Kranken hat mir die Reichsbahndirektion für den 12. November einen Sonderzug zusammengestellt. Es gehen am 12.11.43 fünfzig Kranke nach Meseritz, fünfzig Männer und fünfzig Frauen nach Gnesen und hundert Frauen und vierzig Männer nach Warta b. Schieratz. Der Sonderzug läuft bis Posen und wird dort aufgeteilt. Er geht abends um ca. achtzehn Uhr in Hamm ab. Ich werde noch versuchen, den Zug in Gütersloh abfertigen zu lassen, ob es möglich ist, weiß ich noch nicht. Genauere Nachrichten übermittle ich Ihnen noch telefonisch, am Termin ändert sich nichts mehr. Die restlichen fünfzehn Kranken für Bernburg werden im Laufe des Novembers, nach vorheriger Verständigung mit Ihnen abgeholt und per Autobus nach Bernburg gebracht. Heil Hitler! gez.Sawall."
 

Die Sterberate dieser Transporte lag bis 1945 bei 80 - 90 % - Erna Kronshage wurde genau 100 Tage später, am 20.02.1944 in der Vernichtungsklinik Tiegenhof bei Gnesen ermordet.

In der Klinikkirche Gütersloh leuchten jetzt die Namen von den 1017 deportierten Patienten zum Gedenken.

 

Der Stolperstein für ERNA KRONSHAGE wurde kürzlich erneuert ...

Hier die Standort-Map des Stolpersteins in BI-Sennestadt mit der eingezeichneten Sichtline des Bildes unten ...

 

Bielefeld-Sennestadt -
Hier - direkt am Fußgänger-Überweg
der Schranken-/Ampelkreuzung
Verler Straße - Krackser Straße -
Sender Straße - in Laufrichtung
Bahn-Haltepunkt/Buskehre befindet
sich der "Stolperstein" zum Gedenken
an Erna Kronshage ... (vorn im
Bild - im Hintergrund hinter den
Bahnschienen das Geburtshaus -
der "Mühlenkamp" - Verler Straße 76

Der Stein wurde erst kürzlich
wegen eines fehlerhaften Eintrags
neu gelegt!

 

 

und hilf bitte mit, dass erna's story nicht vergessen wird: erzähl sie weiter

 


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