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  "in memoriam" triptychon zu erna kronshage

 

 

angeregt durch gerhard richters "birkenau"-zyklus (2014) sowie seinem bild "tante marianne" (1965) habe ich 2014/2016 ein digital-virtuelles online-memorialtriptychon zusamengestellt -

zum andenken an meine tante

erna kronshage (1922-1944),

die nach einweisung, zwangssterilisation und deportation, schlussendlich opfer der ns-euthanasie wurde - in einem 484-tage währenden leidensweg.

 

das triptychon besteht aus den motiven:

 

1. leben -
2. unfrucht -
3. auszählen
-

 

bilder - die symbolisch-allegorisch die durchlittenen lasten dieses immer schneller mit aller konsequenz und härte ablaufenden leidensweges nachempfinden wollen:

 

- von der ungebundenen, fröhlichen, sich entwickelnden vitalität -

 

- hin zur plötzlichen "unfruchtbarmachung" aus eugenischem zeitgeist-denken und damit zur vermessung und zur ex-klusion -

 

- bis zur reduzierung der individuellen persönlichkeit auf bloße funktionalität als eine nummer in der verfügungs- und verschiebemasse, wo die ergebnisse auf "wert" und "un-wert" geprüft und abgewogen werden: "friss oder stirb"

 

- letztenendes dann zur tötung - zum mord ...

Stolperstein zum Gedenken an Erna Kronshage in Sennestadt zum 90. Jahrestag ihres Geburtstages

Namensband mit 1.017 Opfernamen im LWL-Klinikum Gütersloh

 

 Im "Raum der Namen" in der düsteren Klinikkapelle in der LWL-Klinik Gütersloh werden aus der Zahl der 1.017 Opfer wieder Individuen. Jedes der Euthanasieopfer ist auf er- und be-leuchtenden, die Wände des inneren Kirchenschiffs auf Hüfthöhe umlaufenden Paneelen verzeichnet.

 

Die Nennung der Namen - darunter auch ERNA KRONSHAGE - machen uns klar, dass wir eben nicht vor einer anonymen, unvorstellbar großen Menge stehen, sondern dass es Menschen aus unserer unmittelbaren Umgebung waren, die vernichtet wurden. Dieses Bewusstsein können nur lokale Orte des Gedenkens schaffen. 1.017 Patienten allein aus Gütersloh wurden Opfer dieser sogenannten "Euthanasie"-Deportationen in die Vernichtungsanstalten 1940-1945. Ein Großteil wurde in der Gaskammer von Hadamar, der zentralen Tötungsanstalt für die westfälischen Patienten, oder zum Beispiel in den Tötungsanstalten im besetzten Polen in Meseritz-Obrawalde oder Tiegenhof/Gnesen ermordet.

 

Diese Menschen starben gezielt und planvoll durch Überdosen an Medikamenten, durch Hunger, Kälte und katastrophale hygienische Verhältnisse in den Durchgangs- und Zielanstalten. Neben diesem beeindruckenden Leucht- und Namensband - graphisch gestaltet vom Bielefelder Designer Mario Haase - komplettieren ein "Rundgang zur Klinikgeschichte" auf dem Friedhof und ein "Stein des Gedenkens" mit einer Inschriftplatte diese Verortungen des "Erinnerns und Gedenkens" - nun endlich - nach 70 Jahren des würdelosen vornehmlichen Verschweigens ... 

 

Die Reden zur Eröffnung der neuen Gedenkstätte lesen Sie - wenn Sie auf das Bild clicken ^...

gedanken zum november-deportations-gedenken
 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ja - sagt der gnom zur königstochter
- wenn du meinen namen errätst - 
darfst du dein kind behalten ...

wenn sich lettern aus licht auftun
sich tanzend begegnen nach all den jahren
sich anmachen - sich auspreisen - nicken
und finden sich zu namen und setzen
sich jeweils einen ⚪ (punkt) davor
eintausendsiebzehn mal -
punkt für punkt: 
eine beeindruckende strecke
für jagdaufseher und wachmänner
für lokomotivführer und fahrdienst
leiter: sprosse für sprosse 
hochgeklettert und verstrickt
auch mit der pharmaindustrie
bis in die grauen busse bis auf die rostigen
schienen: herford hannover berlin frankfurt
anderoder warthegau poznan gniezno
allüberall die roten backsteinbauten
mit desinfektionsgeruch und einer prise urin in der nase -
und den feuchten laken
verknuddelt auf besudelten matratzen
von der gelben suppe betört 
und draußen: all die särge
und all die krähen auf den fichten
und all die spinnweben
die spinnweben
die gebuddelten löcher
in denen sand rieselt
beim ablassen der seile
der alten seilschaften
der alten netzwerke
da - da kräht der blaue rabe
und streckt sich
raschelt mit dem gefieder
eh ihn die katz holt ...

sinedi

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Für die Durchführung der Deportations-Transporte am 12. November 1943 in weiter östlich gelegene Tötungsanstalten teilte die "Gekrat" (eine Tarnorganisation für Deportations-Transportlogistik mit "Grauen Bussen" und der Reichsbahn in die "Euthanasie"-Tötungsanstalten  - nun nicht mehr wie ursprünglich in Berlin, Tiergartenstaße 4 - sondern in "Hösel bei Ratingen/Rhld." - jetzt als Unterabteilung einer effizienten "Eingreiftruppe" für die Lazarettbetten-Beschaffung... - direkt dem Generalkommissar für das Reichgesundheitswesen Prof. Dr. Karl Brandt unterstellt) am 28. Oktober unter dem Original Gekrat-Stichwort "Sonderaktion Brandt" mit:

 

 

"Sehr geehrter Herr Direktor Hartwich! Zum Abtransport Ihrer Kranken hat mir die Reichsbahndirektion für den 12. November einen Sonderzug zusammengestellt. Es gehen am 12.11.43 fünfzig Kranke nach Meseritz, fünfzig Männer und fünfzig Frauen nach Gnesen und hundert Frauen und vierzig Männer nach Warta b. Schieratz. Der Sonderzug läuft bis Posen und wird dort aufgeteilt. Er geht abends um ca. achtzehn Uhr in Hamm ab. Ich werde noch versuchen, den Zug in Gütersloh abfertigen zu lassen, ob es möglich ist, weiß ich noch nicht. Genauere Nachrichten übermittle ich Ihnen noch telefonisch, am Termin ändert sich nichts mehr. Die restlichen fünfzehn Kranken für Bernburg werden im Laufe des Novembers, nach vorheriger Verständigung mit Ihnen abgeholt und per Autobus nach Bernburg gebracht. Heil Hitler! gez.Sawall."

Die Sterberate dieser Transporte lag bis 1945 bei 80 - 90 % - Erna Kronshage wurde genau 100 Tage später, am 20.02.1944 in der Vernichtungsklinik Tiegenhof bei Gnesen ermordet.

In der Klinikkirche Gütersloh leuchten jetzt die Namen von den 1017 deportierten Patienten zum Gedenken.

 


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