Glenn Gould:

Beethovens Pianosonate No. 23 "Appassionata"

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Bethel: Zwischen Vertuschen & Bekennen

  • a) Medikamentenversuche 

um die "dynamik" dieses artikels und des darin geschilderten ergebnisses richtig nachzuvollziehen - ist es vielleicht gut, sich mit den folgenden artikel-links zunächst zu beschäftigen:

 

Link zur Studie von Sylvia Wagnerhttp://duepublico.uni-duisburg-essen.de/servlets/DocumentServlet?id=42076 
 
Links zur NW-Berichterstattung zum Thema - ab 10/11 2016
 
https://www.nw.de/lokal/bielefeld/gadderbaum/20953177_Medikamententests-an- 
Kindern-Bethel-aeussert-sich-heute-zum-Vorwurf.html 
 
https://www.nw.de/lokal/bielefeld/gadderbaum/20953575_Bethel-will-Arznei-Tests-an-Kindern-kritisch-aufarbeiten.html 
 
https://www.nw.de/lokal/bielefeld/gadderbaum/20953177_Medikamententests-an-Kindern-Bethel-aeussert-sich-heute-zum-Vorwurf.html 
 
https://www.nw.de/nachrichten/zwischen_weser_und_rhein/20954751_In-Bethel-gibt-es-noch-die-alten-Patientenakten.html 
 
https://www.nw.de/lokal/bielefeld/mitte/20964689_Chefarzt-zu-Medikamententests-Alles-muss-transparent-gemacht-werden.html

 


Studie gibt Aufschluss über Medikamententests in Bethel an Minderjährigen

„Bedauern die Versäumnisse zutiefst“

Nach rund zweieinhalbjähriger intensiver Forschungsarbeit hat jetzt das Projekt zu Arzneimittelprüfungen in den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel seinen Abschluss gefunden. Dabei ging es um die Frage, inwieweit und unter welchen Umständen zwischen 1949 und 1975 in Deutschland noch nicht zugelassene Medikamente (neu entwickelte BRD-Medikamente und importierte non-BRD-Medikamente) bei Kindern und Jugendlichen in Bethel angewendet worden sind. Anstoß für das Ende 2017 begonnene unabhängige Forschungsvorhaben war die Studie von Sylvia Wagner zu Arzneimittelprüfungen an Minderjährigen in Heimen in Deutschland nach 1945. Unter anderen wurde in diesem Zusammenhang auch Bethel erwähnt. 

Die Medizinhistorikerin und Psychiaterin Prof. Dr. Maike Rotzoll (Heidelberg), der Kinderneurologe Prof. Dr. Dietz Rating (Heidelberg) und der Historiker Dr. Niklas Lenhard-Schramm (Münster) haben die Studie erarbeitet. Das Forschungsprojekt wurde von einem Beirat unter Vorsitz des Theologen Prof. Dr. Traugott Jähnichen von der Ruhr-Universität Bochum begleitet.

 

 

 

 

sinedi.mach@rtLab: jugendliches "versuchskaninchen": wenn es denn der forschung dient ...


Zufallsstichprobe

Im Ergebnis zeigt sich, dass bei den länger als sechs Monate in Bethel stationär behandelten Kindern und Jugendlichen in knapp einem Viertel der Fälle noch nicht in Deutschland zugelassene Medikamente, sogenannte Prüfpräparate und Import-Medikamente, zum Einsatz kamen. Im Untersuchungszeitraum wurden 2.741 junge Patienten in Bethel aufgenommen. Der Studie liegt eine Zufallsstichprobe von 265 jungen Patientinnen und Patienten zugrunde; bei 63 (23,8 %) von ihnen wurden Prüfpräparate verordnet. Bei zwei Dritteln ging es um Antiepileptika, bei einem Drittel um Psychopharmaka. Zur Gruppe der 63 Patienten und Patientinnen nennt Prof. Dr. Dietz Rating die Zahlen im Detail: „In den Akten der 265 zufällig ausgesuchten Patienten sind Arzneimittelprüfungen für neu entwickelte Antiepileptika und für neu entwickelte Psychopharmaka belegt. Prüfungen wurden an insgesamt 63 Patienten vorgenommen: 55 Prüfungen bei 44 Patienten mit einem oder zwei neuen Antiepileptika, 28 Prüfungen bei 23 Patienten mit neuen Psychopharmaka, darunter sechs Patienten, bei denen sowohl ein Antiepileptikum als auch ein Psychopharmakon untersucht wurde.“ Ferner sei bei weiteren zwei Patienten ein neues, noch nicht zugelassenes Tuberkulostatikum eingesetzt worden.

Für die Arzneimittelerprobungen oder die Anwendung in Deutschland nicht zugelassener Arzneimittel wurden in den Krankenakten keine schriftlichen Genehmigungen der Eltern oder eines Vormunds gefunden. In Einzelfällen gab es Hinweise auf eine indirekte oder mündliche Zustimmung durch Erziehungsberechtigte.

„Die Einwilligung in und die Aufklärung über Arzneimittelerprobungen waren auch zeitgenössisch rechtlich und ethisch geboten, allerdings kein Standard der klinischen Praxis. Bethel unterschied sich hier nicht von anderen Einrichtungen, in denen Arzneimittel erprobt wurden“, erklärt Dr. Niklas Lenhard-Schramm zur damaligen Behandlungspraxis in Bethel.

Eltern nicht gefragt

Prof. Dr. Maike Rotzoll führt dazu weiter aus: „Arzneimittelprüfungen an Kindern und Jugendlichen wurden bekanntlich in zahlreichen Heimen und Psychiatrien durchgeführt. Um aber die vielschichtigen Motivationen zu verstehen, aus denen auch und gerade in Bethel Arzneimittelprüfungen stattfanden, muss man den historischen Kontext berücksichtigen. So war Bethel eine der größten und traditionsreichsten Einrichtungen, die Menschen mit Epilepsie aufnahmen und häufig langfristig versorgten. Bis Ende des 2. Weltkrieges gab es wenig wirksame Medikamente gegen Epilepsie, so dass ein großes Interesse an neuen Arzneimitteln bestand. Dies traf sich mit dem Interesse Bethels, sich auch als Forschungsinstitution, ähnlich einer Universitätsklinik, zu etablieren.“

Der Beiratsvorsitzende Prof. Dr. Traugott Jähnichen unterstreicht diese Triebfeder für den Arzneimittel-Einsatz: „Vor dem Hintergrund der Aufnahme vieler schwerster Fälle von Epilepsie-Erkrankungen hat sich Bethel auch in der klinischen Forschung engagiert, um die Möglichkeiten medikamentöser Therapien zu verbessern. Der Bericht leuchtet in diesem Zusammenhang gut die Verbindung der alltäglichen pflegerischen und therapeutischen Herausforderungen mit der Erprobung von Medikamenten aus.“

Das zeige sich auch in den Ausführungen zu sogenannten Importmedikamenten, die in anderen Ländern bereits zugelassen gewesen seien und um deren Einsatz in der Behandlung sich Bethel mit Nachdruck bemüht habe.

Jähnichen resümiert: „Mit der jetzt vorliegenden, von unabhängigen Experten verfassten Studie tragen die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel erheblich zur Versachlichung und Klärung der Arzneimittelprüfungen an Kindern und Jugendlichen in der Zeit seit Mitte der 1950er- bis zu Beginn der 1970er-Jahre bei.“

Bethel-Vorstand Pastorin Dr. Johanna Will-Armstrong unterstreicht die Bedeutung der Studie für die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel: „Auch wenn hier ein längst abgeschlossenes historisches Kapitel aufgearbeitet wurde, nehmen wir die Versäumnisse der Vergangenheit deutlich wahr und bedauern sie zutiefst. Dass in der Studie auf der Grundlage der untersuchten Krankenakten kein unmittelbarer Zusammenhang gefunden werden konnte zwischen einer möglichen Schädigung von Bewohnern und der Arzneimittelerprobung erleichtert mich sehr.“ Es bleibe aber dabei, man hätte die Eltern über die Arzneimittelerprobungen aufklären und ihre Zustimmung einholen müssen, so Dr. Will-Armstrong.

Symposium geplant

„Diese Praxis, die der zeitgenössische Kontext erklärt, aber nicht entschuldigt, gehört lange der Vergangenheit an“, ergänzt Bethel-Vorstand Prof. Dr. Ingmar Steinhart. Er weist darauf hin, dass die Studie in den Gesamtzusammenhang der kritischen Auseinandersetzung Bethels mit seiner Geschichte einzuordnen ist: „Wir arbeiten traditionell auch die problematischen Phasen und Ereignisse unserer inzwischen über 150-jährigen Geschichte auf und haben damit mehrfach schon Diakonie-Geschichte geschrieben.“

Den drei Wissenschaftlern gilt der besondere Dank des Bethel-Vorstandes für ihre akribische und professionelle Arbeit. Bethel will die Ergebnisse des Forschungsprojekts auch in einem Symposium voraussichtlich im Oktober dieses Jahres (abhängig von der Corona-Entwicklung) in der Fachöffentlichkeit zur Diskussion stellen. Dafür wurde u.a. bereits der renommierte Medizinhistoriker Prof. Dr. Cornelius Borck/Kiel gewonnen. 

Die gut 200 Seiten starke Studie ist im Internet nachzulesen über Links auf:: www.bethel.de/arzneimittelpruefungen.

Textquelle: WESTFALEN-BLATT Bielefeld v. 21.07.2020

 

 

es ist geschafft: bethel gibt gravierende fehler zu in der behandlung seiner "lieben" patienten in all den jahren, während ja bisher zumeist ähnliche und manchmal gravierendere anwürfe zumeist ausgesessen oder unaufbereitet blieben, führte hier sogar eine selbst von bethel in auftrag gegebene studie zu ergebnissen, die aufhorchen lassen.

und während nun von einer rund "zweieinhalbjährigen 'intensiven' forschungsarbeit" die rede ist - darf man nicht übersehen, dass die ersten artikel dazu zumindest in der "neuen westfälischen" in bielefeld aus 10/11-2016 (siehe die artikel-links oben!!!) stammen - also so flott war man nun mit der aufarbeitung auch nicht, denn das liegt ja nun bald vier jahre zurück - und dabei war nun nicht "corona" schuld. 

gerade die selbst in auftrag gegebenen studien sollen ja oft von der "eigenen schuld reinwaschen" - und zumindest implizit schwingt ja bei den auftragsannehmenden wissenschaftlern oft der einstellungskern: "wess brot ich ess - dess lied ich pfeif" bei solchen heiklen themen mit.

nun habe ich die stiftungen bethel in verschiedenen pflegehäusern aus eigener anschauung schon ab meinem eintritt als als zivildienstleistender am ende des untersuchten zeitraums, nämlich ab anfang der 70er jahre, kennengelernt - und sehe noch die weißen packungen mit nummernaufdrucken vor mir - beispielsweise wie "DX-3704" oder ähnliches - die nicht in einer verkauften grafisch designten arzneimittelpackung zur verfügung standen beim medizinstellen für die täglichen patientenrationen.

die waren eben vom arzt angeordnet - und basta. - und diese anordnungen wurden nach meinen beobachtungen damals auch von den durchaus auch manchmal kritischen eltern so mitgetragen, die manchmal verzweifelt nach pharmazeutischen hilfen suchten für die oft damals noch verheerenden anfallshäufungen ihrer kinder - und die dazu ein großes vertrauen zu den ärzten aufbrachten, die da "alles menschenmögliche" taten, um "zu helfen" - in bethel (!) ...

epilepsie war und ist wahrscheinlich heute noch beileibe nicht eine medizinisch voll beherrschte oder beherrschbare nervenerkrankung und hirnentladung. ich glaube sogar, dass eine herzverpflanzung heutzutage in den zuständigen fachkliniken routinierter von der industriell organisierten und digital augestatteten leistungsmedizin-teams bewältigt wird, als etwa ein kompliziertes epileptisches anfallsleiden gar mit individuellen psychosomatischen auslösern (über)lebensfähig "in den griff" zu bekommen und dauerhaft stabil für eine gute lebensqualität einzustellen.

dass allerdings diese quasi ständig selbst in medizinischen versuchsstadien experimentierenden epileptologen noch in die eigene tasche bei den großen arzneimittelkonzernen abrechneten, ist natürlich verwerflich - da hätte man zumindest die angehörigen und die patienten selbst umfassend aufklären und mitbeteiligen sollen - sie hätten es tatsächlich "verdient" gehabt...

zum produktionskalkül der parmakonzerne sei noch hinzugefügt: für vielleicht nur 200 in genau dieser einen konsistenz bedürftige epilepsiepatienten wird nirgendwo auf der welt eine serienproduktion in angriff genommen: es muss sich eben "rechnen" ...

 

  • b) Bethel in der NS-Zeit: 
  • Das Kinderkrankenhaus "Sonnenschein"
  • Deportationen

Zu dem Buch von Claus Melter (Hrsg.) erreichte mich heute ein Vortragsmanuskript per Mail von Barbara Degen, Autorin von: "Bethel in der NS-Zeit - Die verschwiegene Geschichte", 2014 (s.u.), die auch im neuen Melter-Buch mit einem Beitrag vertreten ist - und hier ihren Forschungsstand und ihre Vermutungen zusammenfasst: 

dazu hier meine gemailte Stellungnahme: 

An Barbara Degen - Cc: Claus Melter - 04.08.2020

 

Liebe Frau Degen,


danke für Ihr Redemanuskript zur Präsentation des Melter-Bandes.

 

Ich habe den Text auf meine neue Seite: https://www.eddywieand-sinedi.de/bethel-zwischen-vertuschen-bekennen/ verlinkt - zu den Berichten vom Buch - und den Ergebnissen der Forschung zu den Medikamentenversuchen in Bethel bis in die 70er Jahre – von einzelnen Ärzten und der Pharmaindustrie …

 

Die Säuglingssterblichkeit im „Sonnenschein“ ist für mich trotz der erdrückenden Zahlen und Theorie- und Faktenkonstruktionen immer noch nicht klar.

 

Ich glaube, es wird Zeit, die tatsächlichen Namen der angeblich 3.600 toten Kinder zu eruieren, jeweils mit den angegebenen Todesursachen, um hier klarer zu sehen – und vielleicht auch endlich die betroffenen Familien im Regierungsbezirk Minden aufzurütteln, damit sie etwas dazu sagen und ihr (Ver)Schweigen brechen – und vielleicht die zweite dritte Generation die notwendigen Einzel-Opferforschungen durchführen.

 

Die 3600 Opfer haben ja inzwischen mindestens 10.000 – bis 20.000 „betroffene“ Angehörige…

 

Und nur so kann man meines Erachtens auf ein „organisiertes“ Tötungsschema in Bethel zentral und gezielt von ganz oben gesteuert ggf. schließen.

 

Alles andere sind für mich unbewiesene und zum größten Teil errechnete und konstruierte Ergebnisse und Annahmen, die immer noch ganz verschiedene Ursachen haben können.

 

Wir erkennen ja zur Zeit, wie Infektions-Hotspots (damals TB, Ruhr, Diphterie usw. – neben allen Kriegseinwirkungen und der tatsächlichen schlechten Ernährungslage und dem Nahrungsentzug durch das bunkernde Personal und das Ausbleiben eines Muttermilchersatzes [Humana gab es ja noch nicht]) wirken – und das war vor 80 Jahren nicht anders als heute…

 

Trotzdem - nichts für ungut – mit lieben Grüßen aus der Senne


Edward Wieand

 

 

Frau Degen antwortet darauf hin wie folgt - am gleichen Tag:

 

Lieber Herr Wieand,

vielen Dank für ihre Rückmeldung und mit ihrer Skepsis kann ich gut umgehen.

 

Zu ihren inhaltlichen Vorschlägen: Die Forschungsgruppe Melter hat für einige Jahre die Namen und die angegebenen Todesursachen herausgefunden, sie ergeben sich aus den standesamtlichen Todeslisten. Das ist also nicht das Problem. Das Problem ist aber, dass die Eltern und die Säuglinge aus dem gesamten Regierungsbezirk Minden und darüber hinaus (z.B. aus Ostpreußen, Österreich) kamen. Bei 3600 toten Kindern ist das eine Mammutaufgabe, die keine Forschungsgruppe oder einzelne Personen leisten können, zumal Bethel bislang jede Mithilfe verweigert. Ich habe eine Frau kennengelernt, die eine solche Arbeit gerade für eine Anstalt aus Wien leistet. Das ist mehr als ein Fulltimejob für viele zusätzliche Arbeitskräfte, die sie auch noch privat bezahlt. Man könnte also allenfalls Stichproben machen oder bestimmte Gruppen herausfiltern, aber auch da sehe ich erhebliche finanzielle und arbeitsorganisatorische Schwierigkeiten. Aus meiner Sicht führt kein Weg daran vorbei, dass die Bethelleitung sich an dieser Forschung beteiligen sollte, die selbstverständlich unterschiedliche Position kritisch sieht, aber im Kern das Bedürfnis nach Aufklärung hat und deshalb aus meiner Sicht interdisziplinär und unabhängig sein sollte.

 

Mit freundlichen Sommergrüßen weiterhin,
 
Barbara Degen

 

... und Claus Melter schickt dazu eine Excel-Tabelle mit ca. 180 Namen (also 180 von 3.600) von Kindern, die 1944 im "Sonnenschein" bzw. in einem "Kinderkrankenhaus in Senne II" verstorben sind - und im Stadtarchiv Bielefeld registriert sind.

 

Bei berechtigtem persönlichen Interesse kann man dort also nachforschen...

NEU:

Claus Melter (Hrsg.):

Krankenmorde im Kinderkrankenhaus "Sonnenschein" in Bethel in der NS-Zeit ?

click zu Inhaltsverzeichnis u. Leseprobe

 

 

Zur Entstehung des Buches: Nach der Tagung "Die offene Frage der vielen verstorbenen Kinder im Kinderkrankenhaus "Sonnenschein" in Bethel in der NS-Zeit" am 16. Januar 2019 an der Fachhochschule Bielefeld sowie nach folgenden Expert*innen-Treffen zum Thema im April und Juli 2019 wurde die Idee einer Buchpublikation der Arbeiten der Hauptreferent*innen der Tagung (Dr.in Degen, Fr. Wilke, Dr.in Silberzahn-Jandt, Frau Hamm vom Arbeitsgemeinschaft Bund der "Euthanasie"-Geschädigten und Zwangssterilisierten - https://www.euthanasiegeschaedigte-zwangssterilisierte.de/) entwickelt und wurden weitere Expert*innen (Prof. Schönwiese, Prof. Harms, Dr. Konersmann, Dr. Kaelber angesprochen) und hervorragende studentische Arbeiten angefragt (Nathalie Rehbaum, Sevim Dik, Jan Staginnus, Ramona Stumpe). Zudem wendete sich ein Angehöriger, dessen Mutter in Bethel mutmaßlich getötet wurde (Herr Sommer) an uns und bot an, seine Gedicjte zu seiner Kindheit und dem Umgang mit den Lebensverhältnissen im Buch beizutragen. Gerade wird eine Fach-Expertise zur Krankenakte der Mutter erstellt, um zu klären, ob sie getötet wurde.

 

Zudem wurden Autor*innen herangezogen, die zum Verhältnis von Kolonialismus und Nationalsozialismus arbeiten (Adetoun-Küppers-Adebisis, Michael Küppers-Adebisi) sowie zum Thema Auseinandersetzung mit kolonialen Genoziden (Tara Melter).


So entstand dies Buch.

 

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Folgende Texte haben Bethel- und Bielefeld-Bezug:

„Es soll die Erde, in der Ihr ruht, ganz eine freie werden“.
Der Arbeiter_innenwiderstand gegen den Nationalsozialismus
in Bielefeld und seine Bedeutung für die Soziale Arbeit
Ramona Stumpe
-
Diakonissen und die Westfälische Diakonissenanstalt Sarepta
im Nationalsozialismus
Sevim Dik 91

Liebe und Macht
Friedhelm Sommer 105
-
Die toten Säuglinge von Bethel (1933–1950).
Versuch einer Erklärung
Barbara Degen 107


Ausgewählte Ereignisse in Bethel und im deutschen Reich
1933 bis 1945
Sevim Dik und Claus Melter 150

 

Deportationen und Säuglingsmord im Säuglings- und
Kinderkrankenhaus „Sonnenschein“ in Bethel und anderen
Krankenhäusern in der Zeit des Nationalsozialismus?
Einblicke in den Forschungsstand
Claus Melter 159

 

Die Wirklichkeit der Nachkriegszeit
Friedhelm Sommer 187
-  
Erinnern und Umgang mit Lücken im Wissen um mögliche Tötungen
Margret Hamm 254

 

Bezug zu Eben-Ezer hat der Text von Frank Konersmann (Uni-Bielefeld):
Statuswechsel – Selektion – Förderung.
Ambivalenzen professioneller Anstaltspraxis
in der Heil- und Pflegeanstalt Eben-Ezer in Lemgo (1927–1964)
Frank Konersmann 189

 

Bezug zu Krankenmordforschungen in Oldenburg hat Herr Harms:
Unerwünschte Forschung.
Von Behinderungen bei der Untersuchung der NS-Krankenmorde
Ingo Harms

 

Indirekten Bezug zu den Bielefelder "Volkspflegerinnen" findet sich in:
- Der Wandel in der Fürsorge zwischen Weimarer Republik
und Nationalsozialismus im Spiegel der Rekonstruktion
von Weiblichkeit sowie von Menschen „unterschiedlichen Werts“
in der Arbeit der „Volkspflegerinnen“
Nathalie Rehbaum (Bezug zu "Volkspfleger*innen in Bielefeld und zum Erbgesundheitsamt Bielefeld)

 

Hinweise zu den Autor*innen findet sich am Ende des Buches.

 

Gedenken an vergessene Deportierte

FH-Studenten bringen ein dunkles Kapitel der Stadtgeschichte ans Licht. Ihre Recherchen belegen „Krankenmorde“ an Bethel-Patienten im Nationalsozialismus. Schulen sind jetzt aufgerufen, dazu zu forschen.

Von Christine Panhorst | NW

 

 

Ein Stolperstein erinnert an die aus Bethel deportierte Jüdin Olga Laubheim. Für weitere deportierte Bethel-Patienten soll es nun eine vergleichbare Gedenkkultur in der Stadt geben, das hofft die Forschungsgruppe an der Fachhochschule Bielefeld.
Foto: Wolfgang Rudolf
 

 

 

 


26 Schicksale gerieten in Vergessenheit. Es sind die Schicksale von Bielefelderinnen und Bielefeldern, die in der Zeit des Nationalsozialismus deportiert, später gezielt getötet wurden oder an den Folgen menschenunwürdiger Lebensbedingungen verstarben. Die Gemeinsamkeit: Sie waren nicht jüdischen Glaubens und galten als „unheilbar krank“. Durch neue Recherchen hat eine Gruppe Studenten um FH-Professor Claus Melter und die Studentin Sevim Dik nun aufgedeckt, wer diese Opfer von „Krankenmorden“ waren. Viele waren Bethel-Patienten. Heute, auf den Tag genau 75 Jahre nach Weltkriegsende, gibt es für sie noch immer keine Gedenkkultur. Das soll sich ändern.

 

  • Die Bielefelderin Hedwig Möller, am 21. November 1941 aus Bethel nach Gütersloh verlegt, zwei Jahre später als „ungeheilt“ in die Heilanstalt Meseritz deportiert und dort nach elf Tagen im Alter von 37 Jahren verstorben.

Seit 2017 gibt es die Forschungsgruppe an der Fachhochschule Bielefeld, die Bielefelds und Bethels Geschichte im Nationalsozialismus erforscht. Immer wieder geht es dabei um das Thema Euthanasie. Jetzt sind Melter und seine Studenten durch intensive Recherchen im Münsteraner Archiv des Landesverbands Westfalen-Lippe (LWL) auf weitere Opfer gestoßen. „Bei unseren Forschungen zum Betheler Kinderkrankenhaus sind wir darauf gekommen, dass auch Erwachsene in Zwischenanstalten deportiert wurden“, berichtet der Wissenschaftler von der Fachhochschule Bielefeld. 22 ehemalige Bethel-Patienten seien in andere „Heilanstalten“ verlegt worden, galten als „ungeheilt“ und kamen daraufhin in der NS-Zeit ums Leben. „Diese drei Kriterien lassen auf sogenannte Krankenmorde schließen, die wir weiter erforschen wollen.“

 

  • Die Bielefelderin Elfriede Droste, am 21. November 1941 aus Bethel „ungeheilt“ in die Heilanstalt Gütersloh verlegt, am 14. August 1942 im Alter von 29 Jahren dort verstorben.

Laut Melter war es für die Patienten oft eine Deportation in Etappen. Das belegen unter anderem akribisch geführte „Ein- und Ausgangslisten“ der Heilanstalten in der NS-Zeit. „Einige Opfer wurden so zunächst in Heilanstalten in Gütersloh und Lengerich verlegt, von dort weiter nach Münster, bevor sie in Marsberg getötet wurden“, erklärt Melter. Dort habe es neben einer sogenannten „Kinderfachabteilung“ auch eine LWL-Klinik für erwachsene Psychiatrie-Patienten gegeben. „Hier sind Menschen vermehrt zum Sterben hingeschickt worden.“ In beiden Anstalten sei im Nationalsozialismus entschieden worden: Wer wird am Leben gelassen, wer getötet?

 

  • Gustav Kleinert aus Bielefeld, am 12. November 1941 aus Bethel in die Heilanstalt Gütersloh verlegt, dort als „ungeheilt“ am 19. Juli 1942 mit 49 Jahren verstorben.

25 Männer und 23 Frauen sind so laut den intensiven Recherchen der FH-Studenten 1941 aus Bethel in die Heilanstalt Lengerich „verlegt“ worden. In fünf Fällen konnte ihr Weg in den Tod nachgezeichnet werden: Alle fünf wurden im Dezember 1944 aus Bethel als „ungeheilt“ entlassen. Alle starben in den Jahren 1944 und 1945 in Marsberg.

 

  • Ernst Bäcker, am 2. November 1941 „ungeheilt“ aus Bethel verlegt, am 14. Oktober 1944 im Alter von 16 Jahren in Marsberg gestorben.

Im Bielefelder Stadtarchiv sei die studentische Forschungsgruppe zudem auf Akten von Personen gestoßen, deren Urnen nach Bielefeld an das städtische Polizeipräsidium geschickt wurden oder direkt an den Sennefriedhof, berichtet Melter. „Der genaue Bezug nach Bielefeld, warum ihre Urnen hierher verschickt wurden, ist in diesen vier Fällen noch nicht ganz eindeutig.“ Waren auch sie zu einem Zeitpunkt Bethel-Patienten oder hatten Familie in Bielefeld? Alle vier wurden in der Tötungsanstalt Hadamar in Hessen ermordet, zwei über Zwischenstation in Marsberg. In Hadamar wurden laut heutigem Forschungsstand mehr als 14.000 Menschen mit Behinderungen und psychiatrischen Erkrankungen im Nationalsozialismus ermordet.

 

Claus Melter von der Fachhochschule hat mit seinen Studenten zur Euthanasie an Bethel-Patienten geforscht.
Foto: BARBARA FRANKE
 

 

 

 

 

  • Anna Almodt wird am 22. Juli 1941 mit 50 weiteren Patienten ins Tötungsanstalt Hadamar gebracht und ermordet. Ihre Asche wird nach Bielefeld geschickt.

Die Aufarbeitung habe erst begonnen, sagt Melter. „Für diese Menschen gibt es keine Stolpersteine, ihre Namen stehen nicht bei denen der Deportierten auf der Steele am Bielefelder Hauptbahnhof, zu ihnen gibt es keinen Ausstellungen, keine Erinnerungsprojekte.“ Noch nicht. „Unser Anliegen ist es, diesen Menschen durch einen gemeinsamen Gedenkprozess in Bielefeld und in Bethel und durch die Namensnennung die Menschenwürde zurückzugeben.“

 

  • Ein wichtiger Baustein könnten dabei Projekte an Bielefelder Schulen sein. „Dazu möchten wir aufrufen“, so Melter. Schulprojekte könnten zu den Schicksalen der einzelnen Personen forschen, ihre Geschichten erzählen, herausfinden, ob es noch Nachfahren gibt, und Stolperstein-Initiativen für die aus Bethel deportierten Personen anstoßen.
  • Von der Forschungsgruppe zu Bethel im Nationalsozialismus werde die Begleitung solcher Projekte angeboten. „Wir geben Tipps für die Recherche, erklären, wie man in Archiven fündig wird“, so Melter. Interessierte Studenten, Schüler, Lehrer können sich bei ihm per E-Mail melden unter claus.melter@fh-bieleld.de.

 

Text & Bilder: NEUE WESTFÄLISCHE v. 08.05.2020, S. 14, Lokalteil Bielefeld
 
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das wird ja ein echt spannendes projekt, dass da von fh-professor claus melter und seinen studenten ins leben gerufen wird: denn ein paar lebens-"end-stationen" in den benannten anstalten und einrichtungen der im text vorgestellten ungeklärten lebensschicksale sind nach meinem dafürhalten als ausgemachte ns-"euthanasie"-stätten bisher noch gar nicht in erscheinung getreten, sondern eher als "zwischenanstalten", von wo dann die deportationen in die endgültigen vernichtungsanstalten erfolgten.
 
insofern ist schon zu fragen, ob die für meinen geschmack etwas salopp formulierten annahmen der forschungsgruppe um prof. melter auch einer tatsächlichen fakten-überprüfung und forschung standhalten werden - etwa wenn da geschrieben steht:
  • "22 ehemalige Bethel-Patienten seien in andere „Heilanstalten“ verlegt worden, galten als „ungeheilt“ und kamen daraufhin in der NS-Zeit ums Leben. „Diese drei Kriterien lassen auf sogenannte Krankenmorde schließen, die wir weiter erforschen wollen.“ - oder
  • „Einige Opfer wurden so zunächst in Heilanstalten in Gütersloh und Lengerich verlegt, von dort weiter nach Münster, bevor sie in Marsberg getötet wurden“, erklärt Melter. Dort habe es neben einer sogenannten „Kinderfachabteilung“ auch eine LWL-Klinik für erwachsene Psychiatrie-Patienten gegeben. „Hier sind Menschen vermehrt zum Sterben hingeschickt worden.“ In beiden Anstalten sei im Nationalsozialismus entschieden worden: Wer wird am Leben gelassen, wer getötet?"
die genannten scheinbar "drei kriterien": 

1. aus bethel "in eine andere heilanstalt" verlegt zu werden - 
2. als "ungeheilt" zu gelten - und 
3. "daraufhin in der ns-zeit ums leben zu kommen" 
 
lassen so lapidar noch nicht auf tatsächlich vorsätzliche (!) "sogenannte krankenmorde" schließen - eben - wie gesagt - einfach auch, weil die anstalten, die in den beispieltexten als letztendliche stationen  genannt  werden, bisher in der seit fast 40 jahren andauernden "ns-"euthanasie"-erforschung als so organisierte tötungsanstalten bisher nicht auftauchen und benannt werden -
 
das gilt auch für die sogenannte "wilde euthanasie", die ab 1942 - dezentral von berlin - vornehmlich in eigenverantwortung der einzelnen bezirke und reichsprovinzen in dortigen provinzial-heilanstalten vororganisiert wurden - zum abtransport und zur deportation in die tatsächlichen vernichtungsanstalten.
 
hier wurde noch "gezielt" deportiert (etwa zum "freiräumen" benötigter lazarettbetten wegen der immer zahlreicher werdenden uniformierten und zivilen kriegsverletzten) - zumeist aus dem reich in die okkupierten östlich angesiedelten anstalten - in jedem fall aber möglichst außerhalb des beobachtungs-fokus der kirchen (protest kardinal graf v. galen in münster und pastor braune in freistatt/bethel) und der tatsächlich betroffenen und auch z. t. widerstrebenden familienangehörigen. 

die "kinderfachabteilung" im genannten marsberg als stätte der dort tatsächlich auch durchgeführten kinder-euthanasie-morde wurde wohl bereits 1941 geschlossen, nach protesten aus der bevölkerung und den angehörigen. in dortmund-aplerbeck wurde diese abteilung dann weitergeführt.  
 
man deportierte die "ausgesuchten" ns-euthanasie-mordpatienten ab 1942/43 gezielt in die weitere "peripherie", um "gerede & gerüchte" zu vermeiden und das tödliche tun zu vertuschen - und schützte sich prophylaktisch so auch vor einer zu erwartenden späteren verfolgung, denn ab ende 1943 war eigentlich jedem klar, dass dieser krieg verloren war - und die ns-ideologie zum scheitern kommt - und ein grundständiges unrechtsbewusstsein meldete sich ja im gewissen wieder an...
 
insgesamt war die "euthanasie"-tötung so industriell kleinteilig durchorganisiert, dass eine in straffer abfolge von zunächst von "täter-ketten" nichtssagenden "handlanger"-verrichtungen schließlich von wechselnden diensthabenden die letztendliche "tödliche dosis" verabreicht wurde - und so aber ein "täternamen" - eine person - nicht mehr auszumachen war und habhaft gemacht werden konnte - oder nur unter großer recherche-anstrengung.
 
in den provinz-anstalten hier im alten reichsgebiet war nach derzeitigen kenntnissen zur fraglichen zeit eine solche "gezielte" abfolge gar nicht mehr aufgrund der kriegswirren und zerstörungen organisierbar und durchführbar oder erfolgreich nach "außen" hin zu verbergen...
 
die neue forschungsinitiative von professor melter mit seinen studenten hin zu schulen, die zum mittun aufgerufen sind, ist natürlich zu begrüßen, um noch mehr licht in das geschehen tatsächlich zu bringen - und die geschilderten "blinen flecken" aufzuarbeiten.
 
ich bin gespannt und hoffe auf eine rege rückmeldung von schulen und lehrenden... 
    


diese "einzel-verlegungen" aus den konfessionellen einrichtungen in die ns-staatlichen heilanstalten des deutschen reiches sind insgesamt sicherlich noch einmal ein großes und bisher nicht befriedigend erschlossens umfassendes forschungsgebiet als hintergrund zu den "euthanasie"-morden insgesamt und der "beteiligung" oder dem nicht- bzw. mitwissen konfessioneller institutionen oder deren würdenträger damals. 

auch gegenüber bethel hat jüngst prof. dr. claus melter und seine studenten von der fh bielefeld ja fragen zum schicksal ähnlicher (einzel-)"verlegungen" aus bethel in staatliche ("zwischen-")"heil"anstalten" aufgeworfen - zu denen "offiziellerseits" immer mal wieder gern ge- und verschwiegen wird - oder aber - anstatt offen in den eigenen archiven und unterlagen forschen zu lassen - werden von den konfessionellen institutionen umfängliche "forschungsarbeiten" dazu in auftrag gegeben, die sich dann aber oft recht langwierig ausgestalten in ihrer jeweiligen "performance" - oder in ihren "konkreten" aussagen so verschlüsselt sind, dass man einfach mit semantisch raffinierten "forschungsformulierungen" versucht, neue "schuldfreie" zusammenhänge darzustellen bzw. zu konstruieren (! - "wess brot ich ess, dess lied ich pfeif"...). ich will hier keine namen nennen... - aber das alles lässt sich durchaus auch ergoogeln...

inwieweit die konfessionellen einrichtungen quasi unter druck gesetzt wurden, mit letztlich ja von amts wegen finanzierten wohldifferenzierten pflegesatz-abrechnungsvolten und abrechnungs-"erpressungen" und entsprechenden lebensmittel-zuteilungen und -kürzungen zum ende hin, ist nicht genau auszumachen - und das gestaltete sich ja auch je nach einzel"fall" und privatvermögen der familien der patienten vielleicht unterschiedlich.

fest steht, dass die nsdap in hoch-zeiten fast 8 millionen eingetragene mitglieder hatte - bei rund 80 millionen reichs-einwohnern insgesamt und einem erwachsenen-anteil von über 50 mio. menschen. das nationalsozialistische gedankengut war also mit seinen erbgesundheitlichen ausrichtungen und konsequenzen bis in konfessionelle kreise hinein damals allgemeiner "zeitgeist" und etabliert - man könnte auch sagen: der "zeitgeist" war damit "durchseucht" - was sich ab 1933 bis mindestens 1942 noch verstärkte. insofern haben ja auch zumindest fast alle konessionellen anstalten bei der massenhaften "zwangssterilisation" geradezu bereitwillig mitgemacht.

in der allgemeinen wohlfahrtsfürsorge traten ab 1933 auf einer seite die nsv - die nationasozialistische volksfürsorge - nun frech fordernd mit ihrem totalitären allumfassenden machtanspruch und ihrer ihr immanenten erblehre auf den plan, der "eugenik", mit dem gedanken der "ausmerze" alles schwachen und kranken - und auf anderer seite die seit kaiserreich und weimarer republik etablierten christlich motivierten institutionen von diakonie und caritas - und die sich eben nun nach dem seit der weimarer republik geltenden subsidiaritätsprinzip in der sozialhilfe sozusagen als anbieter-konkurrenten "gegeneinander" gegenüberstanden und auf gegegenseitigen "bettenklau" gingen (= nur ein belegtes bett bringt pflegesatz-einnahmen...).

mit seinem offenen und verstohlenen und später "wilden" "euthanasie"-programm hatte der ns-staat deutsches reich aber auch eine möglichkeit entwickelt, sich der unterbringunskosten in der sozialhilfe zu entledigen - und diese so eingesparten mittel insgesamt mit für die nun dringend benötigte "kriegskasse" zu erschließen. 

inwieweit aber vielleicht in abgesprochenen "deals" der mit der sozialfürsorge befassten stellen und ämter und versicherungen "gehandelt" und "abgesprochen" wurde ("gibst du mir deine - geb ich dir meine"), sei vorerst einmal dahingestellt - bis zu einem neutralen (!) und umfassenden forschungsergebnis. 

ob also einzelne patienten den konfessionellen einrichtungen tatsächlich von den staatlichen nsv-anstalten "entrissen" wurden, quasi von der "tränenbenetzten schürze der ordensschwester" weg - oder ob kräfte in den konfessionellen anstalten sich unliebsamen einzelpatienten "entledigen" wollten - und was die jeweiligen tatsächlichen beweggründe der "verlegungen" bzw. "deportationen" war, ist bis heute nicht zweifelsfrei geklärt - und es gab sicherlich auch einzelfälle sowohl in die eine richtung als auch in die andere...

spannend ist also die frage, ob es ein institutionelles wollen dazu gegeben hat - und ob quasi automatismen und anschluss-deportationen jeweils geplant und anberaumt wurden. 

aber vieles spricht dafür, dass so "behütend" und "sorgend" die konfessionellen einrichtungen nicht immer auftraten, wie es direkt nach dem krieg zunächst unisono beteuert wurde.

und die offenen oder heimlichen verantwortungsträger waren dann in den 60er/80er jahren, bei eventuellen prozessen zur klärung dieser sachverhalte zumeist "verhandlungsunfähig" oder unabkömmlich oder bereits verstorben - wie das leben eben so spielt ... 

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  • Nach einer privaten Mitteilung von Claus Melter im Frühjahr 2020 haben die Ermittlungsbehörden inzwischen ihre Aktivitäten wieder eingestellt, da sich keine belastbaren Umstände für "Säuglingsmorde" im Kinderkrankenhaus "Sonnenschein" ergeben hätten ...

 

 

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die reaktionen
 
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ja - es tut mir gut, dass es menschen gibt, die auch in sachen ns-"euthanasie" immer wieder genau nachfragen - erforsche ich doch seit über 30 jahren das leidensporträt meiner tante erna kronshage, die 1944 in einer "euthanasie"-vernichtungs"klinik" ermordet wurde. seit 10 jahren habe ich das protokoll ihres 484-tage-opferschicksals in studien- und memorialblogs und bildmagazinen ins netz gestellt, abgestimmt auf verschiedene zugangsinteressen - jetzt unter dem sammelbegriff "erna's story" zu einer multimedialen informationsquelle zusammengefasst.
 
von daher kenne ich das gut, dass die großen institutionen selbst gern bei nachfragen nach einschlägigen vorkommnissen unter ihrer ägide in der zeit des nationalsozialismus mauern, verschweigen und vertuschen - und die türen eher verschließen, als sie endlich fast 80 jahre nach diesem geschehen ganz weit zu öffnen, um an einer lückenlosen neutralen aufarbeitung und dokumentation wie selbstverständlich mitzuwirken. man agiert in dieser angelegenheit kaum - sondern re-agiert meist nur.
 
da spielen sicherlich verschiedene komponenten eine rolle: bei patientenakten z.b. handelte es sich - zumindest früher - nach meinung der behandelnden (ns-)ärzte um ärztliche unterlagen zu ihrem persönlichen gebrauch - evtl. noch von kollege zu kollege, deren ärztliche eintragungen als "persönliche notizen" gewertet wurden (stichwort: "ärztliche schweigepflicht") - und mit denen deshalb nach gutdünken von dieser ärzteschaft umgegangen wurde. und nur die in einer krankenakte sich oft auch befindlichen institutionellen verwaltungs- und kassen-technischen unterlagen wurden dagegen als teil-krankenakte zu abrechnungen und dokumentationen oftmals späterhin in die zuständigen archive gegeben.
 
das alles geschieht immer unter dem aspekt der gesetzlichen auflagen - die sich im laufe der zeit immer mal wieder modifizierten - auflagen auch des personenschutzes und der wahrung der würde des einzelnen menschen, über den die akte geführt wurde.
 
hinzu kommen - gerade bei kindern - die grund- und aufenthaltsbestimmungs-rechte der leiblichen eltern oder der gesetzlichen vertreter - z.t. "vormundschaftliche" betreuer (manchmal auch laien), die mit der verwaltung und interessenwahrnehmung von manchmal über 100 "einzelfällen" betraut wurden - die auch zumindest über teile der akte verfügen konnten und sie nach gutdünken oft zu handhaben wussten. nichts an diesen alten akten ist digitalisiert erfasst - und viele können zumindest wegen der damals bevorzugten sütterlin-ärzte(!)handschrift kaum eindeutig entziffert werden - schreibmaschinen waren rar.
 
in deutschland wurden zudem kurz vor kriegsbeginn lebensmittelmarken und bezugsscheine für eine rationierte versorgung mit konsumgütern ausgegeben, die im laufe des krieges auch eine art "währungsstatus" erhielten, und "nach bedarf" auch manchmal nach beurteilungen der leistungsfähigkeit und der "verwendbarkeit" von außen zugeteilt wurden.
 
in großeinrichtungen wie bethel wurde also eine solche rationierte bewirtschaftung zum problem, denn der allgemeine "zeitgeist" sah damals vor - nicht nur im krieg - dass die "leistungsfähigeren" vor schwachen und kranken bei einer solchen verteilung bevorzugt werden mussten. es bestand ein system der "auslese". diese auslese führte dann auch zur finalen entscheidung: "verwendbarkeit" oder "deportation"...
 
im laufe des krieges verschlimmerte sich diese notsituation - und führte sicherlich auch nach innen in den institutionen zu einer hierarchisierten verminderung der nahrungsaufnahme, was dann wiederum eine absetzung der abwehrkräfte zur folge hatte. ein körperlicher verfall wird dann bei anfälligen menschen stark beschleunigt - und auch ein bewusster nahrungsentzug wird sicherlich zumindest lokal je nach bedürftigkeit, als sanktion oder "disziplinarische maßnahme" eingesetzt worden sein - und natürlich gab es auch den schwarzmarkt und schiebereien, die immer mit solcherart notmaßnahmen eingergehen - in der nähe von solchen großeinrichtungen sowieso.
 
bereits 1931 definierte der psychiater hermann simon aus der benachbarten provinzialheilanstalt gütersloh - aus der auch erna kronshage dann 1943 deportiert wurde - den personenkreis angeblich "minderwertiger": körperschwache, kränkliche, schwächlinge, schwachsinnige, krüppel, geisteskranke und kam dabei zu dem schluss: „es wird wieder gestorben werden müssen...“.

das anschwellen der sterbequote bei den kindern hier - wahrscheinlich aus "vernachlässigungen" im weitesten sinne, durch fortschreitenden personalmangel und allmählichem immer fortschreitendem nahrungsentzug - und eben auch weil sich die "infrastruktur" im laufe des krieges drastisch veränderte (= die allgemeine versorgungslage, der ausbruch von tuberkulose und anderen manchmal örtlich umgrenzten massen- und vireninfektionen und erkrankungen) und einhergehend sicherlich auch mit der "inneren einstellung", mit entäuschung und burn out der betreuungskräfte in bethel - das alles ist also ein tödliches konglomerat aus verschiedensten komponenten, die hier mit zu berücksichtigen sind. 
 
ob das aufkommen der sterbequote nun "gezielt" angehoben wurde, und der tod der kinder billigend in kauf genommen oder sogar absichtlich herbeigeführt wurde - oder eher allgemein-gesellschaftliche  "kollateralschäden" in der gesamtentwicklung des krieges und des werdegangs des "dritten reiches" insgesamt waren, lässt sich wohl kaum noch zweifelsfrei objektiv klären und auseinanderklamüsern.
 
das sind dann insgesamt verstrickungen, das ja herr gauland von der afd als "vogelschiss" abtut - und dem ja (un)bewusst mit ihrem verschweigen und mauern immer mehr menschen auch inzwischen beipflichten. 
 
denn das ist wirklich für mich "aus der scene" mein eindruck vom selbstverständnis einiger beteiligter institutionen und einrichtungen: "wir haben doch jetzt gedenkstätten errichtet, kerzen abbrennen lassen, wir führen gedenktage durch - und informieren schulklassen - 'und nu is auch mal gutt': unserem "unternehmens"-image schadet doch nur eine solche genaue "ewige" detail-aufarbeitung dieser vergangenheit"und mit den vordergründig organisierten routinierten bedauernsakten am 27.01. (holocaust-gedenktag zur befreiung von auschwitz) oder am totensonntag hat sich das jetzt ein für allemal zumindest augenscheinlich für uns erledigt. ... 
 
warum aber bethel nicht alles tut, um auch vor sich selbst diese rätsel so gut es geht zu lösen - und erklärungen zu den erhöhten sterbequoten offen dokumentiert und diskutiert - auch unter beteiligung und in kooperation mit legitimierten forschern von außen - bleibt mir schleierhaft.
 
mit so einem verhalten wird immer misstrauen gesät - und wenn dortige verantwortungsträger meinen, dass ein offensiver umgang mit den sterbequoten und den "euthanasie"-morden oder den maßgeblichen deportationen in die vernichtungsanstalten oder umfassende medikamentenversuche nach dem krieg zu bleibenden imageschädigungen der gesamteinrichtung führen, so geht meines erachtens dieser schuss nach hinten los: diese vertuschungen - nicht nur in bethel - führen zu den imageschädigungen und lösen misstrauen bei den nutzern aus.
 
wahrscheinlich kann nur die akribische untersuchung von den ca. 1000 individuellen einzelschicksalen in der kinderklinik eine klärung bringen - in gruppen, abteilungen oder massen lässt sich da wenig erforschen, denn jeder fall wird ein wenig anders abgelaufen sein - und nur mit dem befund der vorhandenen oder eben auch nicht vorhandenen "aktenlage" ist das nicht getan.
 
aber für solche eine akribische einzelfallprüfung fehlen sicherlich insgesamt die ressourcen und würden jede hochschule und jeden interessenverbund an die kapazitätsgrenzen bringen.
 
man sagt ja so lapidar: es gibt noch viel zu tun - packen wir's an - aber einige haben sicherlich inzwischen interesse an den davon abgeleiteten nonsens-spruch: es gibt noch viel zu tun - warten wir's ab ...
 
aber da gibt es ja nun die jungen "neuen wilden", wie prof. melter von der fh bielefeld, die zum glück auf "(auf-)klärung" drängen - und immer weitermachen - immer weiter: die aufarbeitung der ns-verbrechen ist nie ganz abgeschlossen - hat sich nie "erledigt" - und das ist gut so ...
 
 
 

Bethel in der NS-Zeit:

Die verschwiegene Geschichte


von Barbara Degen

 

 

Die von Bodelschwinghschen Ansstalten hatten in der NS-Zeit mit Friedrich von Bodelschwingh d. J. (1877–1946) einen besonnenen, erfahrenen und christlich geprägten Anstaltsleiter. Er hatte sich bereits 1929 gegen die „Euthanasie“ ausgesprochen. Trotzdem starben zwischen 1933 und 1945 in dem dortigen Kinderkrankenhaus „Sonnenschein“ (100–120 Betten) über 2000 behinderte und nichtbehinderte Kinder. Auch bei den behinderten Kindern in den Pflegehäusern und bei den erwachsenen PatientInnen und Pfleglingen gab es eine überproportional hohe Todesrate.

 

Nach den Forschungen von Barbara Degen war die Ursache der hohen Sterberate eine mangelhafte Ernährung, gefährliche TBC-Impfungen u. v. m.


Der „vorauseilende Gehorsam“ und die Wahl des „kleineren Übels“ der Anstaltsleitung machten diese Entwicklung möglich. „Barmherzigkeit“ und „Liebe“ wurden in eine „Liebe zur Volksgemeinschaft“ zulasten der Kranken umgedeutet, aus dem biblischen Tötungsverbot wurde ein Sterilisations- und Tötungsgebot aus scheinbarer Barmherzigkeit.


Das Buch versucht, diese Widersprüche und die Frage zu klären, wie Fürsorge, Mütterlichkeit, christliches Liebesverständnis und Überlebensstrategien mit Fragen der „Eugenik“ und „Rassenhygiene“ verknüpft werden konnten. (Text: Amazon-Buchbesprechung)

Bethel zum Buch von Barbara Degen: click here


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