"Mein Lachen ist Weinen"

ERNA KRONSHAGE ERNA KRONSHAGE

20 Jahre "Werden" - und 17 Monate "Vergehen" - bis hin zum gewaltsamen Tod ...

EINZELSCHICKSAL UND BIOGRAPHIE EINES NS-"EUTHANASIE"-OPFERS - CLICKEN SIE AUF FOLGENDEN LINK:

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Unter dem Blogtitel

 

http://erna-k-gedenkblog.blogspot.com

 

dokumentiere ich seit Ende November 2009 in einem umfangreichen Werk-, Doku- und Gedenkblog den viel zu kurzen und tragischen Werdegang meiner Tante Erna Kronshage aus Senne II (heute Bielefeld-Sennestadt).

 

Erna Kronshage wurde Ende 1922 geboren und geriet als aufgeweckte und sensible junge Frau im Alter von knapp 20 Jahren in die Fußangeln der "Versorgung" durch die damals vorherrschende äußerst rigide und letztlich sogar tödlich funktionierende NS-Psychiatrie.


Im Herbst 1942 ließ sich die junge Frau in die damalige Provinzialheilanstalt Gütersloh einweisen, weil sie mit ihren eintönigen Lebensumständen in der elterlichen kleinen Landwirtschaft nicht mehr zurechtkam. 

 

Sie hatte den tödlichen und sicherlich traumatischen Bombenangriff eines englischen Fliegers Mitte 1940 in der unmittelbaren Nähe zum Elternhaus (ca.100 Meter Luftlinie) miterlebt, bei dem eine junge Nachbarin ums Leben kam und ein weiterer junger Mann schwerverletzt wurde.

 

Nachdem man in Gütersloh sehr schnell mit der damaligen Allerwelts-Diagnose "Schizophrenie" auch bei Erna Kronshage bei der Hand war, die in diesem Falle alles andere als "seriös" gestellt wurde - setzte man 1943, letztlich in 2. Instanz, ihre Zwangssterilisation "zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" durch, auch gegen den vehementen und mutigen Widerstand des Vaters, meines Großvaters, Adolf Kronshage - und "behandelte" sie mit Cardiazol-Schocks, Barbituraten und "Arbeitstherapie".

 

Im November 1943 wurde Erna Kronshage unter der makabren Vortäuschung  "der zunehmenden feindlichen Luftgefahr"  - im Rahmen der gezielt geplanten so genannten "Wilden Euthanasie"/"Aktion Brandt" - in die "weniger luftgefährdete" Gauheilanstalt Tiegenhof (Dziekanka) bei Gnesen (Gniezno)/Polen verlegt, 630 Eisenbahnkilometer nach Osten, wo sie bereits nach 13 Wochen am 20. Februar 1944 "an völliger Erschöpfung des Körpers" gewaltsam zu Tode kam, sicherlich auch wie viele andere Opfer dort und in anderen Vernichtungsanstalten durch einen gezielten Nahrungsentzugs-Plan (Hungerkost) einhergehend mit einer tagelangen Überdosis von Beruhigungsmedikamenten (dem so genannten "Luminal-Schema", entwickelt 1940 durch den NS-Arzt Hermann-Paul Nitsche).

 

Von der Einweisung in die Heilanstalt Gütersloh bis zu ihrem Tod in der Gauanstalt Tiegenhof/Dziekanka in Gnesen/Gniezno waren gerade mal 17 Monate vergangen.

 

Die damalige Anstalt Tiegenhof ist inzwischen als eine von mehreren "Tötungsanstalten" von 1939 bis 1945 bei den verschiedenen NS-"Euthanasie"-Aktionen ("Aktion T4", "Kinderfachabteilung", "Sonderaktion Brandt" und schließlich die "Aktion 14f13")  hinreichend dokumentiert worden.

 

Die Leiche Erna Kronshages wurde im März 1944 aus Gnesen nach Senne II auf 600 Schienenkilometern mit dem Packwaggon übergeführt. Sie hat auf dem Alten Friedhof in Sennestadt auf der Familiengrabstätte ihre letzte Ruhestätte gefunden, nachdem aber die Familie ihren Leichnam heimlich laienhaft "untersucht" hatte nach "Auffälligkeiten". Man ahnte also zumindest Unregelmäßigkeiten.
 
Das Gedenkblog wurde nun von mir ins Internet gestellt, um dem viel zu kurzen Leben und dem heimtückischen Sterben von Erna Kronshage mit Bildern, zeitgenössischen Bildbeispielen und Dokumenten nachzuspüren, und mit diesem konkreten Beispiel die verheerenden Vorgänge der Krankentötungen im so genannten "Dritten Reich" mit zu dokumentieren:

 

Die immer raschere Abfolge zeigt diese schrecklich tödliche soghafte "Dynamik" auf: Auf dieser schiefen Schicksalsebene konnte es keinen Halt mehr geben für Erna Kronshage ...
 
Sicherlich ist das Blog auch eine Materialsammlung für die Verwendung im Unterricht in Schule, Studium und Beruf.

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